Neue deutsche Gründerzeit – alte deutsche Ängstlichkeit?

Trends   ●   Veröffentlicht von Netcoo Redaktion    ●   

Theoretisch können sich die Deutschen eine Selbständigkeit gut vorstellen. An der praktischen Umsetzung hindern sie jedoch viele Ängste – Ausdruck eines als „typisch deutsch“ geltenden „Bedenkenträgertums“?

Der aktuelle Amway Global Entrepreneurship Report, für den mehr als 26.000 Menschen aus 24 Ländern weltweit zum Thema Selbständigkeit befragt wurden, zeigt, wie es um das Unternehmertum in Deutschland und weltweit bestellt ist – und liefert Ansatzpunkte, wie Deutschland eine gründerfreundlichere Gesellschaft werden kann.

Selbstbestimmt und flexibel den Tag strukturieren und seine Arbeitskraft in das eigene Unternehmen stecken: 57 Prozent der Deutschen haben eine positive Einstellung zur beruflichen Selbständigkeit. An der konkreten Umsetzung hapert es jedoch häufig – zu groß ist die Angst, zu scheitern. Ganze vier von fünf befragten Deutschen hält diese nach eigenen Angaben sogar davon ab, sich selbständig zu machen. Greifbar werden die Bedenken vor allem in der Angst vor „finanziellen Belastungen bis hin zur Insolvenz“ (59 Prozent), „Gefahren der Wirtschaftskrise“ (34 Prozent) und „persönlichem Misserfolg und Verlust des Selbstwertgefühls“ (23 Prozent). Die Angst vor dem Scheitern ist nicht nur in Deutschland sondern auch europaweit sehr ausgeprägt (73 Prozent) – im Gegensatz zu beispielsweise den USA (37 Prozent): So ängstigen die Wirtschaftskrise und ihre möglichen Folgen 61 Prozent der Portugiesen, 54 Prozent der Griechen, 50 Prozent der Spanier und Italiener – aber nur 15 Prozent der Amerikaner.

Unternehmertum: Gesellschaftliche Akzeptanz mindert individuelle Vorbehalte

Die positive Einstellung der Amerikaner zeigt sich auch darin, dass 73 Prozent ihre Gesellschaft als unternehmerfreundlich empfinden. In Deutschland sind es nur 46 Prozent – das gilt auch für den weltweiten Durchschnitt aller 24 befragten Länder. Während in den USA offen mit Fehlschlägen umgegangen werde, hüllten sich hierzulande gescheiterte Gründer meist in Schweigen, so Michael Meißner, Vice President Corporate Affairs Amway Europe and Southern Africa. „Kein Wunder, denn in Deutschland wird der Misserfolg eines Unternehmers gesellschaftlich negativ konnotiert, während in den USA eher der Mut respektiert und in den Vordergrund gerückt wird.“ Die Ergebnisse des Reports geben konkrete Hinweise darauf, dass die jeweilige gesellschaftliche Akzeptanz von beruflicher Selbständigkeit ausschlaggebend für das tatsächliche Gründungsverhalten ist. Insbesondere in Ländern mit einer sehr positiven Einstellung zum Unternehmertum wie Dänemark (89 Prozent), Finnland (87 Prozent) und Australien (84 Prozent) bescheinigen die Befragten ihrer Gesellschaft eine besonders gründerfreundliche Kultur.

Weniger finanzielle Hürden und Bürokratie für mehr Gründungsfreude

Ungeachtet des Start-up-Booms, den deutsche Ballungszentren wie Berlin und München derzeit erleben, kann sich nur etwa ein Viertel der Deutschen (26 Prozent) vorstellen, ein Unternehmen zu gründen. Der Amway Global Entrepreneurship Report zeigt, wie es mehr werden könnten: Für 52 Prozent ist die Bereitstellung öffentlicher Mittel und Kredite für Unternehmensgründungen entscheidende Voraussetzung für den Schritt in die Selbständigkeit. Zudem wünschen sich die Deutschen weniger Bürokratie (40 Prozent; Durchschnitt aller Länder: 29 Prozent) und risikoärmere Geschäftsmodelle (34 Prozent; Durchschnitt aller Länder: 23 Prozent). „Unsere Wirtschaft braucht mehr Gründer. Das funktioniert nur, wenn wir die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen. Amway arbeitet daran, das Thema Entrepreneurship und die Bedürfnisse kleiner und mittelständischer Unternehmen auf die politische Agenda zu setzen. Konkret bieten wir vielen Menschen, die nach Sicherheit und Selbständigkeit streben, das geeignete
Geschäftsmodell zur Selbständigkeit an“, so Meißner.

Nur Mut! Gründerzeit in Deutschland

Reizvoll an der beruflichen Selbständigkeit finden die Befragten die „Unabhängigkeit vom Arbeitgeber“ (49 Prozent), die „Möglichkeit zur Selbstverwirklichung“ (41 Prozent) sowie „zusätzliche Verdienstmöglichkeiten“ (33 Prozent) und die „bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ (22 Prozent). Demzufolge erfüllt dieses Beschäftigungsmodell genau die Anforderungen, die der moderne Arbeitnehmer an einen Job stellt. Unter den 20-bis 35-Jährigen Deutschen sind es sogar 38 Prozent, die das Unternehmertum reizt. Damit ist das Gründungsinteresse der jüngeren Generation um zwölf Prozent höher als das der Gesamtbevölkerung in Deutschland. Kein Wunder, dass in den Medien immer wieder von einer „zweiten deutschen Gründerzeit“ berichtet wird – die Jungen scheinen den Unterschied zu machen. „Diese aktive deutsche Gründerszene gilt es zu unterstützen – sowohl mit konkreten Maßnahmen wie dem Abbau von bürokratischen Hürden als auch dadurch, dass wir das gesellschaftliche Ansehen des Unternehmertums verbessern. Sich selbständig zu machen bedarf einer großen Portion Leistungsbereitschaft, Kreativität und Disziplin. Das sollte auch öffentlich positiv bewertet und anerkannt werden“, sagt Michael Meißner.

Weitere Informationen zum Amway Global Entrepreneurship Report unter www.zukunft-selbstaendigkeit.de.

Bild: © PHOTO – fotolia.com

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