Abwerbung ist die beste Werbung? Vorsicht vor den „Haien“ der Branche

Kolumnen, Trainingstipps & Know how   ●   Veröffentlicht von Willi Morant    ●   

Kennen Sie die schwarzen Schafe in unserer Branche? Ja, keine Frage, es gibt sie tatsächlich! Dieses Thema wird sehr oft und gern verdrängt, ich möchte Ihnen dennoch etwas dazu erzählen. Im Network Marketing (NM) nennt man diese Gattung von Beratern „Haie“. Es sind die gefährlichsten Menschen, die man in unserer Industrie treffen kann. Man erkennt sie nicht sofort, meistens erst dann, wenn es zu spät ist. Sie sind Meister im Blenden und Reden, und das macht sie so gefährlich. Eigentlich sind es nette Leute – so ähnlich wie die Menschen, die jahrelang neben einem leben und von denen man plötzlich durch die Zeitung erfährt, was für „böse Buben“ sie sind. „Dabei hat er doch immer so nett gegrüßt!“

Die Haie in der Network Marketing Branche sind gute Schauspieler und schlüpfen in die Rolle, die gerade angesagt ist. Dann gibt es noch die so genannten Piranhas, die kleinere Gattung, die sich immer in der Nähe von Haien aufhalten. Sie sind leichter zu erkennen. Man merkt aber sofort, dass mit diesen Personen etwas nicht stimmt! Haie halten sich friedlich innerhalb der eigenen Organisation, wie auch in den Sidelines, auf.

Doch aufgepasst! Haie gibt es intern und extern

Augen auf: Es gibt nämlich interne Haie, die sich in der eigenen Firma aufhalten und die externen, die sich außerhalb davon bewegen. Irgendwann verändert sich dieser interne Hai, weil er Blut riecht. Er riecht mit einem Mal fette Beute. Meist wacht er auf, wenn externe Artgenossen an seiner Firma knabbern. Oft ist die Angst vor Verlust der Grund, weshalb er sich auf die Seite des Angreifers schlägt. Offensichtlich ist er von seinen eigenen Fähigkeiten nicht so überzeugt. Und dann beginnt die Maschinerie zu laufen …

In der Regel sind aber schon einige Dinge im Vorfeld passiert. In unregelmäßigen Zyklen erscheinen neue Firmen, dubiose Glücksspiele (selten, aber es gibt sie immer noch) und andere zweifelhafte Konstruktionen in der Network Branche. Leider immer wieder. Eine vermeintlich neue, bessere Firma mit einem noch besseren Marketingplan und noch besseren Produkten kommt auf den Markt oder will bald starten.

Sie verspricht das „absolut schnelle Geld; die letzte Chance überhaupt, einfach Geld ohne viel Arbeit zu verdienen“. Es ist die „absolute, nie dagewesene Jahrhundert-Revolution im Vertrieb, die alles andere Lichtjahre hinter sich lässt. Das gibt es nie wieder.“ Um so „bekloppter“ ist, das es immer noch Menschen gibt, die auf solch einen Unsinn hereinfallen. Manchmal sogar tausende, die den Lemmingstrieb in sich spüren – um dann über die Klippe zu springen. Aber gut, auch die muss es anscheinend geben. Wenn sie sich dabei wohl fühlen …

Oft ist eine so genannte „unglaublich erfolgreiche“ Führungskraft, die ein „unglaubliches“ Einkommen mit einer „riesigen“ Vertriebsorganisation hatte, das Vorzeigeobjekt des neuen Projektes.

Wenn man diese „Lichtgestalt des nahenden Frühlings“ dann betrachtet, kommt nicht selten dabei heraus, dass da jemand seinen Höhenflug nicht verkraftet hat und sich für unbesiegbar hält, weil er irgendwann schon einmal scheinbar Erfolg gehabt hat. Meist sind es die, die solch einfache Gesetzmäßigkeiten wie „Einkommen von morgen sollte nicht heute schon ausgegeben werden“ nicht beachten.

Der Konsumwahnsinn setzt ein und schnell wird das Geld zum Fenster hinausgeworfen. Plötzlich sind alle böse zu einem und dann muss schnell eine neue „Eierlegende Wollmilchsau“ her. Denn der Zustand wurde ja nicht von der besagten Führungskraft herbeigeführt, sondern von der bösen Firma, der bösen Upline und den bösen Produkten. Alle haben versagt – nur die Führungskraft selbst natürlich nicht.

Wenn die Schuldigen gefunden sind, wird diese neue, unglaubliche Firma als der Heilbringer und das passende Mittel zum Zweck betrachtet. Was liegt in diesem Augenblick näher, als zu versuchen, Vertriebspartner anderer Unternehmen abzuwerben, sich zu rächen und es allen anderen zu zeigen? Es scheint der einfachere Weg zu sein – zunächst! Also fängt der „Hai“ an, die bestehenden Unternehmen zu sondieren, um herauszufinden, wo sich wie viele Leute befinden und wie die Lage dort aussieht.

Er hört sich um, ob es irgendwo unzufriedene Leute gibt (in jeder Firma gibt es unzufriedene Partner, auch hier kann man sich nicht gegen die Quote wehren). Hat eine Firma gerade irgendein Problem?

Der angehende Abwerber sucht sich leichte Beute. Fündig wird er häufig bei Führungskräften in der zweiten Linie, die noch nicht so erfahren oder durch verschiedene Umstände emotional nicht gerade in bester Stimmung sind und deshalb ein offenes Ohr haben.

Und da liegt der Hund begraben: Der erste, der zuhört, hat verloren. Der Hai findet das schwächste Glied in der Kette und beißt sich an ihm fest, weil es jetzt gilt, den ERSTEN aus der Firma herauszureißen, den er dem Rest wie eine Trophäe vor die Nase hält (dies erinnert an das Mittelalter, als die gepfählten Köpfe von Verrätern vor den Stadttoren aufgereiht wurden). Er hofft darauf, dass die anderen sich fürchterlich erschrecken, weil sie nie damit gerechnet hätten, dass gerade die Führungskraft X sich zu so etwas hinreißen lässt.

Dann zündet der Raubfisch Stufe zwei: Die Bude muss gestürmt werden, im Rummel liegt der Segen. Der Network Marketing Hai schürt Verwirrung und Unsicherheit, die Berater der Firma dürfen sich untereinander nicht mehr trauen. Der Unruhestifter fängt an, noch weitere, kleinere Berater mit Versprechungen und versteckten Drohungen unter Druck zu setzen und drischt die üblichen Phrasen der Augenwischerei:

Die neuste und beste Firma aller Zeiten, am besten ist es, direkt von Anfang an dabei zu sein. (Genau dort liegt aber auch das größte Risiko, der Background ist viel wichtiger!)

Du musst jetzt sofort einsteigen, bevor es zu spät ist. (Wieso zu spät? In ein gutes Network Marketing Geschäft kann man jederzeit einsteigen und es gibt eine Menge davon auf dem Markt!)

Jetzt schnell einmal richtig viel Geld verdienen! (Schnell und viel – eine seltene und daher unglaubwürdige Kombination im Network Marketing!)

Du musst ja nicht selbst einsteigen, nimm deine Frau (deinen Mann) und gib mir die Adressen und Listen die du hast – ich mach das alles für dich. (Weshalb hat er – wenn das Geschäft soooo toll ist – noch soviel Zeit, meine Kontakte abzuarbeiten? Hat er etwa keine eigenen? Es müssten doch tausende nur darauf warten, bei ihm einzusteigen!)

Mach es als zweites Standbein – kriegt doch keiner mit. (Unsinn, es gibt keine erfolgreiche Führungskraft im Network, die in zwei Unternehmen an der Spitze steht! Zudem ist man unglaubwürdig, wenn man mit einem „Bauchladen“ rumläuft. Und schließlich wird keine Firma so ein Wechselspiel tolerieren!)

Auch die lockenden Superlative hat unser Hai im Repertoire:

Es sind schon Leute dabei, die sind viel besser als wir und wenn die es machen, muss es ja gut sein. (Was interessiert uns, was andere machen? Wer weiß, was sie zu diesem Schritt bewegte?)

Der war so erfolgreich bei der Firma X, wenn der das macht, muss da was dran sein … (Wenn er so toll wäre und soviel Geld verdiente, dann hätte er garantiert nicht gewechselt! Wer weiß, was dahinter steckt? Sie wissen es nun!)

Mit dem Marketingplan kann man alle anderen Firmen vergessen, das ist die Revolution am Markt. (Ich denke bei Revolutionen auch immer an die vielen unschuldigen Toten, die so eine Revolution fordert …)

Die Produkte verkaufen sich von ganz alleine, man muss nur noch das Geld in Empfang nehmen. (Das ist der heißeste Spruch von allen! Wenn ich den höre, bin ich im siebten Himmel: Er glaubt doch wohl selber nicht, dass ihm irgendjemand diesen Schwachsinn abnimmt! Vor allen Dingen wäre er – und wir auch – überflüssig. Wofür würden wir denn noch gebraucht?)

Mann, das ist das Beste, was ich je gesehen habe! (Was ist denn das für eine Referenz? Auf dem Papier sieht immer alles gut aus, aber erst die Praxis zeigt die Tücken. Und vom Sehen und Lesen von Marketingplänen ist noch keiner satt geworden!)

Wenn unsere Produkte erstmal kommen, dann geht es richtig los! (Erstmal zulassen, Markt eröffnen und dann weitersehen – Wer weiß, ob so eine Firma überhaupt auf den Markt kommt? Zugelassene Produkte sind das A und O im Network Marketing!)

Wenn das alles nichts nützt, gibt es noch die Strategie, Angst zu machen:

• Informiere dich, bevor deine Downline es tut, sonst kannst du bei ihr einsteigen.

• Wir haben schon x Mal gesagt: Wenn du nicht kommst, wird er deine ganze Organisation mitnehmen, besser also, du kommst auch mit – sonst ist alles weg.

• Deine Firma wird das nicht überleben und geht sowieso pleite. Wenn wir auf den Markt kommen, gibt es eure Firma nicht mehr lange.

• Deine Firma ist schon pleite, nur du weißt es noch nicht!

• Deine Firma läuft doch gar nicht, hab ich vor kurzem im Internet gelesen.

• Bei euch brechen doch alle Vertriebsstrukturen zusammen.

• Eure Führungskräfte sind alle pleite.

Hier lesen Sie Teil 2. Bitte klicken!

Bild: sodesignby – fotolia.com

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