Im Anfang war das Ziel

Personality   ●   Veröffentlicht von Netcoo Redaktion    ●   

Wenn aufgeben keine Alternative ist

Zu den häufigsten Mythen über Willenskraft zählen Aussagen und Durchhalteparolen wie: »Du kannst alles schaffen, du musst es nur wollen« oder: »Wecke den Sieger in dir« und Ähnliche, die sich allesamt unter folgendem Slogan zusammenfassen ließen:

»Du musst nur fest genug an dich glauben«. Belegt werden diese Mythen gerne mit Erfolgsgeschichten von Sportlern, berühmten Erfindern oder Menschen, die es von ganz unten nach ganz oben geschafft haben. Quasi die Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Story. Doch die 99,9% der Menschen, die es trotz dieser Erfolgsslogans nicht nach ganz oben geschafft haben, werden geflissentlich ausgeblendet. Denn Willenskraft allein reicht nicht. Erst in Verbindung mit den richtigen Zielen kann die Willenskraft ihre Wirkung entfalten …

Außer Frage steht, dass Selbststeuerung, Durchhaltevermögen und ein gesundes Maß an Willenskraft wichtige Erfolgsfaktoren sind. Doch sie kommen an zweiter Stelle. Im Anfang ist immer das Ziel. Kaum zu glauben – aber viele Menschen vergessen es schlichtweg, ein Ziel genau zu formulieren, bevor sie sich auf einen Weg begeben.

Ziele sollen »messbar« und »konkret« sein. Ist das nicht mittlerweile ein alter Hut? Kennt doch jeder. Wird in jedem Seminar und jeder Weiterbildung durchgekaut. Komisch ist nur, dass trotzdem viele Menschen Fehler bei der Formulierung ihrer Ziele machen. Also ist es ja scheinbar doch nicht so einfach, oder? Es kann nicht häufig genug betont werden, dass es noch mehr Dinge zu berücksichtigen gilt, als »konkrete« und »messbar« formulierte Ziele aufzuschreiben.

Bereits die Zielformulierung hat erhebliche Auswirkungen darauf, ob wir ein Ziel auch tatsächlich erreichen können. Etwas gesünder Leben, Sport treiben oder sich mehr bewegen sind abstrakte Pläne und damit keine gut formulierte Ziele. Sie sind einfach zu allgemein. Es sind unspezifische Pläne, die im Prinzip viele Menschen haben, die es aber oft nicht schaffen nachhaltig umzusetzen.

Es macht einen Riesenunterscheid ob ich sage ich will mich ein wenig gesünder ernähren oder ich werde nur noch einmal in der Woche ein Stück Kuchen essen und keinen Zucker mehr in den Kaffee tun. Es macht einen Unterscheid ob ich sage ich will ein wenig mehr Sport treiben oder ich werde jeden Dienstag und jeden Donnerstag gleich nach dem Aufstehen 30 Minuten laufen gehen. Die Laufsachen lege ich mir bereits abends hin. Jede Woche.

Eine allgemeine abstrakte Zielformulierung macht nur das Warum einer Zielsetzung deutlich und gibt den bevorstehenden Handlungen maximal visionären Sinn. Eine konkrete Zielformulierung rückt das „Was muss ich tun?“ eher ins Zentrum der Aufmerksamkeit und konzentriert sich auf die kleinen notwendigen Schritte. Ein Ziel mit „Was muss ich tun?“ anzugehen, bringt vor allem Vorteile, wenn es sich um ein langfristiges Ziel oder zeitaufwendiges Projekt handelt. Denn so können wir eben Schritt für Schritt festhalten, merken wann es schwierig wird, wann wir stolpern oder wo unsere Energie punktuell hingelenkt werden muss.

Wir gehen damit also die Aufgaben in kleinen Schritten an und versuchen, ihre Komplexität zu reduzieren. Wer beispielsweise seinen Führerschein macht und Autofahren lernen will, muss sich zunächst auf viele Bewegungsabläufe, technische Details und die Regeln des Straßenverkehrs konzentrieren. Die Vision – bequem zur Arbeit zu fahren oder elegant über die Autobahn zu brausen – hat uns das abstrakte Ziel wählen lassen, aber in der ersten Fahrstunde wäre sie wenig hilfreich.

Und so scheitern oft Vorsätze, Ziele und beste Absichten allein daran, weil wir sie zu ungenau formulieren oder einer Vision, einer vagen Vorstellung von einem Ziel hinterherjagen. Mehr Zeit mit dem Partner, den Kindern oder Freunden verbringen? Wieder mehr Freiraum für sich selbst schaffen? Mehr Sport machen? Okay. Aber wann genau? Wo? Wie lange? Es macht nur Sinn, wenn wir ins Detail gehen.

Jeweils den ersten Freitagabend im Monat halten wir uns frei, um unsere Freunde zu treffen. Jeden Monat. Immer sonntags nach dem Frühstück, rufe ich meine Eltern an. Jeden Sonntag. Das sind konkrete Beschreibungen meines Vorhabens und meiner Ziele.

Um mehr zu erreichen und um sich weiterentwickeln zu können, reicht es aber nicht aus, sich nur so einfache und banale Ziele zu setzen. Wer besser werden will, benötigt herausfordernde Ziele. Psychologen haben es längst belegt, dass Menschen, die sich ambitionierte Ziele setzen, in der Regel erfolgreicher sind als diejenigen, die sich mit weniger herausfordernden Zielen begnügen.

Es geht also auch um die richtige Balance bei der Zielsetzung: Im Idealfall sollte die Messlatte so hoch liegen, dass man diese nur bei hoher Anstrengung und großem Einsatz gerade noch überspringen kann. Liegt sie zu hoch, ist man leicht frustriert, liegt sie zu tief ist man hingegen unterfordert. Beides bringt Ihre besten Seiten nicht zum Vorschein, so wie dies bei einer echten Herausforderung der Fall ist.

Noch ein weiterer Vorteil kommt hinzu: Haben Sie erst mal eine ambitionierte Herausforderung gemeistert, gewinnen Sie zusätzliches Selbstvertrauen und es erwacht in Ihnen das Verlangen, die Latte beim nächsten Mal vielleicht ein Stückchen höher zu legen.

Dies war ein Auszug aus dem neuen Buch „WILLENSKRAFT“ von Michael Langheinrich, erschienen im BusinessVillage Verlag, ISBN 978-3-86980-341-8

Bild: Copyright Fotolia, mitifoto

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