Personality

20. März: Internationaler Tag des Glücks: Wie man sich aktiv für das Glück entscheidet

 ●  Marc M. Galal

Das Glück hat Hochkonjunktur oder etwas präziser ausgedrückt: Die Suche nach dem Glück. Eigentlich nichts wirklich Neues, denn seit jeher gilt das Bestreben der Menschen eben diesem Quäntchen Zustand, der im Leben Erfüllung bringen soll. Doch Wunschdenken und Sehnen, das war einmal. Heute beschäftigen sich seriöse Wissenschaft und Forschung mit dem Glück. Und doch ist die entscheidende Größe für das Eintreten desselben immer noch das Individuum.

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Mache in nur 66 Tagen Deine Vision zur Realität

 ●  Netcoo Redaktion

Alle erzählen von Zielcollagen, Visionboards und der richtigen Zielsetzung. Ausnahme-Jungunternehmer und SPIEGEL-Bestseller Autor Matthew Mockridge hat jetzt das etwas andere Tagebuch entwickelt und die erste Auflage war sofort nach Veröffentlichung ausverkauft. Im Gespräch mit NETCOO erklärt Matthew Mockridge den Hype um sein 66 Day Journal, um Morgen-Routinen und tägliche Planung...

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Burnout

Burn-out-Prävention: Ein Ausbrennen vermeiden

 ●  Sibylle Brechtel

Immer mehr Berufstätige kämpfen mit psychischen Problemen – wegen des erhöhten Arbeitsdrucks in vielen Unternehmen. Meist liegen die Ursachen hierfür aber auch im persönlichen Bereich. Das gilt es bei der betrieblichen Gesundheitsprävention zu beachten.

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Wenn aufgeben keine Alternative ist

Im Anfang war das Ziel

 ●  Netcoo Redaktion

Zu den häufigsten Mythen über Willenskraft zählen Aussagen und Durchhalteparolen wie: »Du kannst alles schaffen, du musst es nur wollen« oder: »Wecke den Sieger in dir« und Ähnliche, die sich allesamt unter folgendem Slogan zusammenfassen ließen:

»Du musst nur fest genug an dich glauben«. Belegt werden diese Mythen gerne mit Erfolgsgeschichten von Sportlern, berühmten Erfindern oder Menschen, die es von ganz unten nach ganz oben geschafft haben. Quasi die Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Story. Doch die 99,9% der Menschen, die es trotz dieser Erfolgsslogans nicht nach ganz oben geschafft haben, werden geflissentlich ausgeblendet. Denn Willenskraft allein reicht nicht. Erst in Verbindung mit den richtigen Zielen kann die Willenskraft ihre Wirkung entfalten ...

Außer Frage steht, dass Selbststeuerung, Durchhaltevermögen und ein gesundes Maß an Willenskraft wichtige Erfolgsfaktoren sind. Doch sie kommen an zweiter Stelle. Im Anfang ist immer das Ziel. Kaum zu glauben - aber viele Menschen vergessen es schlichtweg, ein Ziel genau zu formulieren, bevor sie sich auf einen Weg begeben.

Ziele sollen »messbar« und »konkret« sein. Ist das nicht mittlerweile ein alter Hut? Kennt doch jeder. Wird in jedem Seminar und jeder Weiterbildung durchgekaut. Komisch ist nur, dass trotzdem viele Menschen Fehler bei der Formulierung ihrer Ziele machen. Also ist es ja scheinbar doch nicht so einfach, oder? Es kann nicht häufig genug betont werden, dass es noch mehr Dinge zu berücksichtigen gilt, als »konkrete« und »messbar« formulierte Ziele aufzuschreiben.

Bereits die Zielformulierung hat erhebliche Auswirkungen darauf, ob wir ein Ziel auch tatsächlich erreichen können. Etwas gesünder Leben, Sport treiben oder sich mehr bewegen sind abstrakte Pläne und damit keine gut formulierte Ziele. Sie sind einfach zu allgemein. Es sind unspezifische Pläne, die im Prinzip viele Menschen haben, die es aber oft nicht schaffen nachhaltig umzusetzen.

Es macht einen Riesenunterscheid ob ich sage ich will mich ein wenig gesünder ernähren oder ich werde nur noch einmal in der Woche ein Stück Kuchen essen und keinen Zucker mehr in den Kaffee tun. Es macht einen Unterscheid ob ich sage ich will ein wenig mehr Sport treiben oder ich werde jeden Dienstag und jeden Donnerstag gleich nach dem Aufstehen 30 Minuten laufen gehen. Die Laufsachen lege ich mir bereits abends hin. Jede Woche.

Eine allgemeine abstrakte Zielformulierung macht nur das Warum einer Zielsetzung deutlich und gibt den bevorstehenden Handlungen maximal visionären Sinn. Eine konkrete Zielformulierung rückt das „Was muss ich tun?“ eher ins Zentrum der Aufmerksamkeit und konzentriert sich auf die kleinen notwendigen Schritte. Ein Ziel mit „Was muss ich tun?“ anzugehen, bringt vor allem Vorteile, wenn es sich um ein langfristiges Ziel oder zeitaufwendiges Projekt handelt. Denn so können wir eben Schritt für Schritt festhalten, merken wann es schwierig wird, wann wir stolpern oder wo unsere Energie punktuell hingelenkt werden muss.

Wir gehen damit also die Aufgaben in kleinen Schritten an und versuchen, ihre Komplexität zu reduzieren. Wer beispielsweise seinen Führerschein macht und Autofahren lernen will, muss sich zunächst auf viele Bewegungsabläufe, technische Details und die Regeln des Straßenverkehrs konzentrieren. Die Vision - bequem zur Arbeit zu fahren oder elegant über die Autobahn zu brausen - hat uns das abstrakte Ziel wählen lassen, aber in der ersten Fahrstunde wäre sie wenig hilfreich.

Und so scheitern oft Vorsätze, Ziele und beste Absichten allein daran, weil wir sie zu ungenau formulieren oder einer Vision, einer vagen Vorstellung von einem Ziel hinterherjagen. Mehr Zeit mit dem Partner, den Kindern oder Freunden verbringen? Wieder mehr Freiraum für sich selbst schaffen? Mehr Sport machen? Okay. Aber wann genau? Wo? Wie lange? Es macht nur Sinn, wenn wir ins Detail gehen.

Jeweils den ersten Freitagabend im Monat halten wir uns frei, um unsere Freunde zu treffen. Jeden Monat. Immer sonntags nach dem Frühstück, rufe ich meine Eltern an. Jeden Sonntag. Das sind konkrete Beschreibungen meines Vorhabens und meiner Ziele.

Um mehr zu erreichen und um sich weiterentwickeln zu können, reicht es aber nicht aus, sich nur so einfache und banale Ziele zu setzen. Wer besser werden will, benötigt herausfordernde Ziele. Psychologen haben es längst belegt, dass Menschen, die sich ambitionierte Ziele setzen, in der Regel erfolgreicher sind als diejenigen, die sich mit weniger herausfordernden Zielen begnügen.

Es geht also auch um die richtige Balance bei der Zielsetzung: Im Idealfall sollte die Messlatte so hoch liegen, dass man diese nur bei hoher Anstrengung und großem Einsatz gerade noch überspringen kann. Liegt sie zu hoch, ist man leicht frustriert, liegt sie zu tief ist man hingegen unterfordert. Beides bringt Ihre besten Seiten nicht zum Vorschein, so wie dies bei einer echten Herausforderung der Fall ist.

Noch ein weiterer Vorteil kommt hinzu: Haben Sie erst mal eine ambitionierte Herausforderung gemeistert, gewinnen Sie zusätzliches Selbstvertrauen und es erwacht in Ihnen das Verlangen, die Latte beim nächsten Mal vielleicht ein Stückchen höher zu legen.

Dies war ein Auszug aus dem neuen Buch "WILLENSKRAFT" von Michael Langheinrich, erschienen im BusinessVillage Verlag, ISBN 978-3-86980-341-8

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Mit 80 Prozent Ressourcen 100 Prozent Leistung bringen

 ●  Netcoo Redaktion

Wie können wir den steigenden Arbeitsdruck reduzieren und die wachsende Komplexität unserer Welt meistern, ohne in unseren Leistungen nachzulassen?


Mehr Arbeit, mehr Anstrengung, mehr Perfektion sind nur mehr von dem, was wir immer schon machen und führen meist nicht zur Lösung, sondern in permanente Überanstrengung. Unsere Konditionierung auf Perfektion und Richtigsein ist das Prinzip, das uns in die Überforderung treibt. Das alternative Prinzip: Mit 80 Prozent unserer Ressourcen die volle Leistung erbringen.

Verstehen was die Welt antreibt

Statt uns immer mehr anzustrengen, mehr zu arbeiten und perfekter sein zu wollen, können wir die Möglichkeiten der sozialen Systeme, in denen unser Leben und Arbeiten stattfindet, die Reserven unserer Familien-, Arbeits- und Freizeitwelten besser nutzen. Dazu müssen wir ihre Erfolgsfaktoren kennen: Sinn, Vertrauen, Offenheit und Verantwortung.

Die soziosystemischen Erfolgsfaktoren Sinn, Vertrauen, Offenheit und Verantwortung entscheiden über die Leistungsfähigkeit sozialer Systeme. Sie sind Ausdruck der Kultur des sozialen Systems und müssen bewusst und gemeinsam gestaltet werden.

•Um Sinn bei den Einzelnen zu erzeugen, stellen Sie Zusammenhänge zwischen den Interessen verschiedener Akteure her.

•Ohne Vertrauen sind Zusammenleben und Zusammenarbeit nicht möglich: Geben Sie Vertrauensvorschuss, sorgen Sie für Klarheit über Strukturen und initiieren Sie gemeinsame Erlebnisse.

•Die Offenheit für Neues fördern Sie durch eine Kultur des Fragens, Probierens und durch eine konstruktive Fehlerkultur.

•Fördern Sie die Freude an der Verantwortung durch ihr eigenes gutes Beispiel und eine konstruktive Fehlerkultur.

Auf einfache Weise große Wirkung erzielen

Das Verhalten unserer Mitmenschen ändern wir nicht durch noch mehr Appelle. Im Gegenteil, das kostet uns Anstrengungen und bewirkt oft das Gegenteil. Statt uns in fruchtlosen Appellen zu erschöpfen und unsere Frustration zu steigern, können wir Regeln setzen und Bedingungen gestalten. Mit diesen Hebeln werden unsere Mitmenschen uns folgen, die sozialen Systeme werden effektiver und wir sparen persönlichen Aufwand.

•Konzentrieren Sie sich auf die Gestaltung von Bedingungen und Regeln, statt sich in Appellen zu erschöpfen. Das verbessert die Effizienz und führt zu Entspannung.

Beachten Sie: Eine Regel ohne Sanktionsandrohung ist ein Appell und wirkt nicht!

•Schauen Sie nach territorialen Gegebenheiten, Ressourcen, Geld, Organisationsstrukturen und Aufgabenverteilungen - diese beeinflussen die Regeln.

Kommunikation nutzen

Ein Großteil unserer Energie verpufft in den Versuchen, der Informationsflut Herr zu werden. Andererseits reiben wir uns dabei auf, mit unseren Botschaften gehört zu werden. Wenn wir diese Anstrengungen steigern, werden wir kaum nennenswerten Erfolg bei der Kommunikation erzielen. Es gibt eine bessere Möglichkeit: Durch Empathie, durch aktives Eintauchen ins „Kommunikationsfeld“ werden Informationen selektiert und die Menschen in unseren sozialen Systemen beeinflusst, Werte und Meinungen geprägt.

•Missverständnisse sind ein unumgängliches Merkmal von Kommunikation. Wenn Sie diese Perspektive einnehmen, können Sie viel entspannter damit umgehen und auch die Vorteile von Missverständnissen sehen: Sie halten Kommunikation in Gang und schaffen Beziehung.

•Tauchen Sie in das „Kommunikationsfeld“ ein: führen Sie viele Gespräche, hören Sie aufmerksam zu. Dann bekommen Sie ein Gefühl für das, was wichtig ist und können Informationen besser selektieren. Und Sie können zur Meinungsbildung, zur Bildung von Werten beitragen.

Gemeinsam Ziele erreichen

Müssen ist anstrengend. Je mehr wir müssen, desto mehr versuchen wir, perfekt zu sein, ohne es je zu erreichen. Die gängigen Motivationssysteme verstärken das Müssen, das heißt Anstrengung und Stress. Am Ende stehen Perfektionismus und Überanstrengung. Die Frage ist: Wie kommen wir vom Müssen-Modus in den Wollen-Modus? Im Wollen-Modus haben Menschen Freude an dem, was sie tun, und entwickeln Kreativität und intelligentere Lösungen.

•In den Wollen-Modus kommt man durch Gestaltungsfreiheit, durch Selbstbestimmung und überzeugtes Mitgestalten.

•Nutzen Sie die Gestaltungsmöglichkeiten, die sich bei Ihrer Arbeit und in Ihrem Umfeld eröffnen. Verdeutlichen Sie sich den Sinn in dem was Sie tun.

•Lassen Sie anderen Menschen mehr Gestaltungsfreiheit. Dann übernehmen sie Verantwortung für ihr Handeln, entwickeln Initiative und neue Lösungen.

•Wenn Sie gemeinsam mit anderen Menschen ein Ziel erreichen wollen, spüren Sie den gemeinsamen Sinn auf. Laden Sie alle Beteiligten zum Mitgestalten ein.

Stefan Fourier
SCHLAU STATT PERFEKT
Wie Sie der Perfektionismusfalle entgehen und mit weniger Aufwand mehr erreichen
1. Auflage BusinessVillage 2015
208 Seiten
ISBN 978-3-86980-328-9
19.80 Euro
http://www.businessvillage.de/Schlau-statt-perfekt/eb-983.html


Der Autor
Dr. Stefan Fourier ist Unternehmer, Autor, Business Consultant und Mentor. Er entwickelte praxistaugliche Modelle zum Umgang mit Komplexität, die Organisationen und Menschen erfolgreich und das (Arbeits-)Leben entspannter machen. Die Wirkung seiner Modelle beruht auf solidem Wissen und persönlichen Erfahrungen aus vielen Lebensbereichen. In seinen Büchern pflegt Stefan Fourier einen lockeren Erzählstil, der seine Souveränität bei Problemlösungen unterstreicht.

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Viele Schwächen sind verborgene Stärken

 ●  Netcoo Redaktion

Viele Menschen beklagen ihr Leben lang ihre „Schwächen“ und versuchen diese zu beseitigen. Das gelingt ihnen meist nicht – unter anderem, weil sich hinter vielen unserer sogenannten Schwächen Stärken verbergen.
Die ähnliche Konzentration auf die Schwächen erlebt man häufig, wenn sich Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern zu Entwicklungsgesprächen zusammensetzen. Dann spielen die „Schwächen“ des Mitarbeiters oft eine so große Rolle, dass man sich fragt: Warum hat das Unternehmen dem Mitarbeiter noch nicht gekündigt?

Eine Ursache hierfür ist: Viele Führungskräfte thematisieren in den Entwicklungsgesprächen mit ihren Mitarbeitern vor allem, was in der Vergangenheit nicht optimal lief. Folgenden Punkten wird hingegen wenig bis keine Aufmerksamkeit geschenkt:

·Was lief gut?

·Warum lief ist es gut?

·Welche Kompetenzen zeigte der Mitarbeiter dabei? Und:

·Wie kann er seine Stärken künftig noch besser entfalten?

Was gut war, wird schnell abgehakt, um anschließend die ganze Aufmerksamkeit auf die Schwächen und Versäumnisse des Mitarbeiters zu richten.

Was gut läuft, erscheint uns oft selbstverständlich

Dieses Ungleichgewicht spüren auch die Mitarbeiter. Deshalb erleben sie die Entwicklungsgespräche vor allem als Kritikgespräche und blicken ihnen eher mit Unbehagen entgegen statt sich auf sie zu freuen. Denn sie wissen: Das Gespräch wird sich vor allem darauf konzentrieren, was in der Vergangenheit nicht optimal lief.

Woran liegt es, dass wir uns – beruflich und privat – meist vorwiegend auf unsere Schwächen statt Stärken konzentrieren? Eine zentrale Ursache hierfür ist: Vieles, was wir gut machen und können, erachten wir als selbstverständlich. So erfüllt es zum Beispiel viele gute Texter nicht mit Stolz, dass sie gut schreiben können. Und viele exzellente Zuhörer sind keineswegs stolz darauf, dass sie gut zuhören können. Entweder, weil ihnen diese Fähigkeit nicht bewusst ist oder weil sie dieses Können als selbstverständlich erachten.

Anders verhält es sich mit den Denk- und Verhaltensmustern, an denen wir uns regelmäßig stoßen. Sei es, weil wir ein anderes Wunschbild von uns haben oder weil sie uns im Alltag tatsächlich zuweilen Probleme bereiten. Mit diesen unerwünschten Denk- und Verhaltensmustern beschäftigen sich viele Menschen tagaus, tagein. Und diese „Schwächen“ versuchen sie abzubauen statt ihre Stärken auszubauen.

Stärken werden oft nicht gewertschätzt

Ähnlich verhält es sich bei vielen Führungskräften. Auch sie erachten das, was ihre Mitarbeiter gut können oder tun, oft als selbstverständlich. Sei es, dass sie Termine zuverlässig einhalten oder selbstständig Probleme lösen. Also verlieren sie darüber keine großen Worte. Stattdessen konzentrieren sie sich auf die Verhaltensweisen, bei denen die Mitarbeiter ihrem Idealbild nicht entsprechen – selbst wenn diese für den Arbeitserfolg eine geringe Relevanz haben.

Ein Umdenken findet meist erst statt, wenn der Mitarbeiter das Unternehmen verlässt und ein Neuer seinen Platz einnimmt. Dann wird der frühere Mitarbeiter häufig glorifiziert. „Der Schmidt war ein toller Mitarbeiter. Er hat zwar oft gemeckert, doch verkauft hat er wie kein Zweiter.“ Oder: „Der Seifert war zwar etwas chaotisch, doch im Programmieren war er ein Ass.“ Dann ist das, was vorher selbstverständlich war, auf einmal nicht mehr selbstverständlich. Plötzlich werden die Stärken des Ex-Mitarbeiters gewürdigt und seine Schwächen sind nur noch Anlass für Anekdoten. Und alle beklagen, dass dieser „wertvolle Mitarbeiter“ das Unternehmen verließ – weil er meinte, er könne in ihm seine Fähigkeiten nicht entfalten.

Deshalb sollten Führungskräfte, wenn sie mit einem Mitarbeiter über dessen Arbeit und künftige Entwicklung sprechen, vor allem folgende Fragen erörtern:

·Warum hat der Mitarbeiter diese und jene Aufgabe gut erledigt?

·Welche besonderen Fähigkeiten zeigte er dabei?

·Wie sollte sein Arbeitsfeld künftig aussehen, damit er diese Fähigkeiten noch besser einsetzen kann?

Mitarbeiter bringen nur Spitzenleistungen, wenn sie ihre Zeit und Energie auf die Dinge verwenden, bei denen sie überdurchschnittliche Fähigkeiten haben. Verwenden sie ihre Energie hingegen vor allem darauf, ihre „Schwächen“ zu beseitigen zu entwickeln, entrinnen sie nie der Mittelmäßigkeit. Ein Dirk Nowitzky wäre nie einer der besten Basketball-Spieler weltweit geworden, wenn er zugleich versucht hätte, den Nobelpreis in Physik zu erringen. Umgekehrt hätte Albert Einstein nie den Nobelpreis in Physik bekommen, wenn er zugleich versucht hätte, ein Top-Basketballspieler zu werden.

Das sollten Führungskräfte im Umgang mit ihren Mitarbeitern beachten. Denn ihre Aufgabe ist es nicht, dafür zu sorgen, dass jeder Mitarbeiter alles kann. Ihre Aufgabe ist es, die Mitarbeiter so einzusetzen, dass jeder seine Fähigkeiten entfalten und einbringen kann; außerdem die Zusammenarbeit ihrer Mitarbeiter so zu strukturieren, dass sie gemeinsam ein Spitzenteam bilden – unter anderem, weil sie sich wechselseitig unterstützen und so ihre individuellen Schwächen kompensieren.

Unsere Schwächen sind meist übertriebene Stärken

Bei einem genauen Betrachten der sogenannten Schwächen von Mitarbeitern zeigt sich zudem oft: Ihre vermeintlichen Schwächen sind übertrieben ausgeprägte Stärken. So arbeitet zum Beispiel eine Person, die zur Pedanterie neigt, stets sehr ordentlich und gewissenhaft. Das heißt: Sie arbeitet strukturiert und prüft regelmäßig, ob sie keine Fehler gemacht hat. Diese Eigenschaften benötigen nicht nur Controller und Programmierer. Zur Schwäche wird ein solches Verhalten erst,

·wenn der Mitarbeiter Aufgaben wahrnimmt, bei denen dieses Verhalten den Erfolg eher verhindert als fördert, oder

·wenn er zum Beispiel jeden Arbeitsschritt aus Angst, einen Fehler zu machen, so oft kontrolliert, dass die meiste Arbeit liegen bleibt.

So verhält es sich bei fast allen „Schwächen“: Sie sind übertrieben ausgeprägte Stärken. Aus einer hohen Eigeninitiative kann schnell eine mangelnde Teamfähigkeit werden. Und eine sehr große Vorsicht kann zu mangelnder Entschlusskraft führen. Jedoch nur, wenn die betreffende Person eine Aufgabe wahrnimmt, bei der diese Verhaltensmuster nicht gefragt sind. Hierfür ein Beispiel: Wenn ein Flugzeugmechaniker die wichtigsten Teile eines Flugzeugs vor einem Flug mehrfach prüft, dann handelt er verantwortungsbewusst. Denn ein technischer Defekt beim Fliegen kann Hunderte von Menschen das Leben kosten. Beschäftigt sich hingegen ein Einkäufer wochenlang mit der Frage, ob er die neuen Kugelschreiber bei diesem oder jenem Großhändler kauft, dann ist dies vermutlich ein Zeichen mangelnder Entschlusskraft. Das heißt: Das gleiche Verhalten kann eine Stärke und eine Schwäche sein – abhängig davon, in welcher Situation es gezeigt wird.

Blick auf Stärken eröffnet neue Perspektiven

Diese Zusammenhänge sind vielen Menschen nicht bewusst. Wenn sie im (Arbeits-)Alltag häufig mit denselben Schwierigkeiten kämpfen, verdichtet sich bei ihnen schnell das Gefühl: Ich habe hier eine Schwäche. Dieses Gefühl wird mit der Zeit zuweilen so stark, dass sie ihre Stärken aus dem Blick verlieren. Entsprechend unsicher werden sie.

Dann ist meist ein neutraler Gesprächspartner hilfreich, der ihnen wieder die Augen öffnet – nicht nur für ihre offensichtlichen Stärken, sondern auch für die Stärken, die sich hinter ihren „Schwächen“ verbergen. Dann wird ihnen oft klar, dass sie auch von vielen ihrer vermeintlichen „Schwächen“ profitieren könnten, sofern sie diese zur richtigen Zeit und in den richtigen Situationen aktivieren würden.

Dann wird häufig auch deutlich, dass viele unserer vermeintlichen Schwächen aus einem falschen Rollenverständnis resultieren. So sind zum Beispiel viele Verkäufer überzeugt: Ein Top-Verkäufer muss mit jeder Person sozusagen im Handumdrehen „Freundschaft“ schließen können. Ein Irrglaube – denn viele Kunden empfinden ein entsprechendes Verhalten als anbiedernd und unprofessionell. Und manchen Chef plagen Selbstzweifel, weil er der Auffassung ist, eine Führungskraft müsse stets wie ein Fels in der Brandung stehen und dürfe nie Unsicherheit zeigen. Ebenfalls ein Irrglaube! Denn viele Mitarbeiter identifizieren sich gerade mit Vorgesetzten, die sich menschlich und nahbar zeigen.

Ein solches Augen-Öffnen ist auch fruchtbar, weil viele Menschen, die häufig gegen dieselben Barrieren stoßen, glauben: Ich muss mich radikal verändern. Wenn die meisten unserer Schwächen jedoch nur übertrieben ausgeprägte Stärken sind, ist dies nicht nötig. Dann genügen oft kleine Verhaltenskorrekturen, um wieder in die Erfolgsspur zu gelangen.

Frank Rebmann

Zum Autor: Frank Rebmann, Stuttgart, arbeitet als (Führungskräfte-)Trainer, Berater und Coach für Unternehmen. Er ist Experte für das Themenfeld „Ermitteln und Entwickeln der Stärken von Führungskräften und ihren Mitarbeitern“. Der zertifizierte Master Trainer und systemische Coach verfügt über 16 Jahre Erfahrung als Führungskraft und 20 Jahre Erfahrung als Verkäufer in Industrie- und Handelsunternehmen. Nähere Infos: www.staerkentrainer.de

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Gewinnend kommunizieren im digitalen Zeitalter

 ●  Netcoo Redaktion

Die modernen Kommunikationsmedien verleiten uns oft dazu, mit anderen Menschen „en passant“, also beiläufig, zu kommunizieren. Das kann dramatische Konsequenzen für die Qualität unserer Kontakte und Beziehungen haben.

Unser Kommunikationsverhalten hat sich stark verändert. Früher wurden kurze Fragen an oder von Kollegen, Kunden und Lieferanten meist mit einem Telefonat geklärt, heute geschieht das häufig per Mail oder Chat-Nachricht. Bei dieser „modernen“ Kommunikation bleibt jedoch oft eines auf der Strecke: der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Jeder Mensch möchte als Individuum wahr- und ernstgenommen werden. Als Kunde möchte er umworben werden, als Mitarbeiter wünscht er sich Wertschätzung und Anerkennung und als Geschäftspartner benötigt er den Augenkontakt, um Vertrauen aufzubauen.

Ein unreflektierter Umgang mit diesen Bedürfnissen und den modernen Kommunikationsmedien kann dramatische Auswirkungen auf die Qualität unserer Kontakte und Beziehungen haben. Deshalb hier einige Tipps, wie Sie im digitalen Zeitalter, eine gewinnende, weil die Menschen wertschätzende Kommunikation führen.

Tipp 1: Human Awareness (persönliche Zuwendung).

Der persönliche Kontakt zählt nach wie vor. Das wird bei der Vernetzung über die sozialen Medien oft vergessen. Eine hohe Zahl digitaler Kontakte mag beeindruckend auf Außenstehende wirken, doch letztlich entscheidet die Qualität und nicht die Zahl der Kontakte über die Tragfähigkeit Ihres Netzwerks. Die Qualität Ihrer Kontakte können Sie vor allem dadurch steigern, dass Sie diese auch offline, also im realen Leben pflegen.

Tipp 2: Social Awareness (soziale Kompetenz).

Eher „robuste“ Zeitgenossen verstehen Empathie oft falsch. Sie sind überspitzt formuliert der Auffassung: Ich muss auch lachen, wenn dies mein Gegenüber tut. Und wenn er weint? Sollte ich das ebenfalls tun. Dies kann ein Ausdruck von Empathie sein, ist es aber nicht zwangsläufig.

Viel wichtiger ist es, dem Anderen zuzuhören und ihn als Mensch wahr- und anzunehmen. Aus der hieraus erwachsenden Verbindung und Vertrauensgrundlage entwickeln empathische Menschen dann Lösungen oder Ideen, die dem anderen im Idealfall helfen, beispielsweise sein Problem zu lösen.

Tipp 3: Incident Awareness (Gespür für den Moment).

Die Wahl des Kommunikationsmediums beeinflusst den Verlauf und Ausgang einer Situation entscheidend. So macht es zum Beispiel einen gewaltigen Unterschied, ob man ein Lob per Mail, Telefon oder von Angesicht zu Angesicht formuliert. Dasselbe gilt für Kritik oder das Treffen von Absprachen.

Gerade wenn wir unter Zeitdruck stehen, neigen wir oft dazu, mit anderen Menschen zum Beispiel per Mail zu kommunizieren – in der Hoffnung, Zeit zu sparen, und aufgrund der falschen Annahme, immer schnell reagieren zu müssen. Wer schnell reagiert, macht jedoch häufiger Fehler und vergisst entscheidende Details. Und vor allem bleiben bei der schnellen Kommunikation per Mail oder Chat, so nebenbei, häufig die Wertschätzung und Anerkennung für den anderen auf der Strecke. Kommunikation reduziert sich auf Information.

Tipp 4: Digital Awareness (digitale Glaubwürdigkeit).

Halten Sie (und Ihr Unternehmen) im realen Leben, was Sie online versprechen? Angenommen Sie werben mit den Begriffen „persönlich“ und „vertrauenswürdig“ um Kunden. Dann passen Telefonate auf offener Straße, in der Flughafenlobby oder im Zug – wo jeder mithören kann – nicht zu diesem (Werbe-)Versprechen.

Bei der Digital Awareness geht es darum, die Botschaften, die Sie bei der digitalen Kommunikation aussenden, mit denen im persönlichen Kontakt zu synchronisieren, damit Sie (und Ihr Unternehmen) glaubwürdig wirken. Denn der Glaubwürdigkeit und Authentizität einer Person, Organisation oder Marke, messen immer mehr Menschen bei ihren (Kauf-)Entscheidungen eine sehr hohe Bedeutung bei. Dessen sollten sich gerade Führungskräfte und Verkäufer bewusst sein.

Tipp 5: Timeout-Awareness (Auszeiten nehmen).

Definieren Sie Zeiten, in denen sie sich vor allem um sich selbst und die Ihnen oder für Sie wichtigen Menschen kümmern – Zeiten also, in denen Ihr PC und Smartphone ausgeschaltet ist. Denn woran messen Ihre Kollegen, Mitarbeiter oder Kunden zum Beispiel in Besprechungen, welche Bedeutung Sie ihnen und dem behandelten Thema beimessen? Auch daran, ob besagte Medien ausgeschaltet sind. Zu Recht! Denn nur dann können Sie sich voll und ganz auf die Situation und Ihr Gegenüber konzentrieren.

Zur Autorin: Barbara Liebermeister leitet das Institut für Führungskultur im digitalen Zeitalter (IFIDZ), Frankfurt. Die Managementberaterin und Vortragsrednerin schrieb unter anderem das Buch „Effizientes Networking: Wie Sie aus einem Kontakt eine werthaltige Geschäftsbeziehung entwickeln“. www.ifidz.de



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Mind Killer – Die Top 5 der Denkfallen

 ●  Netcoo Redaktion

Die Auseinandersetzung mit Mind-Killern darf nicht fehlen, wenn man sich ernsthaft damit beschäftigt, seine Selbstwirksamkeit zu verbessern. Denn nur allzuoft stehen wir unserem eigenen Erfolg am meisten im Wege.


Mind-Killer sind Denkfehler, die uns immer wieder unterlaufen und sehr oft dazu führen, das wir uns selbst blockieren. Es gibt natürlich noch zahlreiche weitere Denkfehler, denen wir beim Streben nach einer besseren Selbstwirksamkeit unterliegen, doch genau diese fünf Denkfallen sind die häufigsten und größten Blockaden, die der persönlichen Entwicklung im Weg stehen.

Denkfehler Nr. 1: Ich bin nicht intelligent!

Vergleichen Sie sich hin und wieder mit anderen Menschen oder vielleicht sogar mit erfolgreichen Persönlichkeiten aus der Öffentlichkeit? Beneiden Sie diese Personen um deren Intelligenz und deren Erfolg? Haben Sie sich jemals gefragt, was einen Mario Götze zu einem so außergewöhnlichen Fußballer macht, dass er die deutsche Nation zum Weltmeistertitel schoss? Was waren die Wurzeln des Erfolges des großen deutschen Dichters und Denkers Johann Wolfgang von Goethe? Von ihm ist bekannt, dass er seine Bücher schrieb, ohne sich zu überarbeiten. Er schuf literarische Meisterwerke, die noch heute einen hohen Wert genießen und zeitlos erscheinen, ohne dabei eine große Mühe zu empfinden. Das alles ist ziemlich beeindruckend. Doch sind diese Menschen intelligenter als andere? Waren beziehungsweise sind sie im wahrsten Sinne des Wortes selbstwirksamer? Benötigen wir eine gewisse Intelligenz, um erfolgreich zu sein?

Nein! Es ist ein typischer Mind-Killer, den wir in der Schule vermittelt bekommen, wonach nur die intelligentesten und besten Schüler auch später im Berufsleben erfolgreich sein werden. Die Biografien vieler erfolgreicher Menschen belegen, dass Intelligenz im Sinne guter Schulnoten nicht die Basis für Erfolg ist.

Die Psychologie hat sich in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Hinterfragung von klassischen Intelligenztests sehr intensiv angenommen und festgestellt, dass Intelligenz weitaus vielschichtiger ist, als IQ-Tests es uns glauben machen. Howard Gardener, Professor für Erziehungswissenschaften und Psychologie an der Universität in Harvard, entwickelte 1983 die Theorie, dass jeder dieser Ausnahmemenschen eine Form von Intelligenz besitzt, die in der Regel gar nicht als eindimensionale Intelligenz, sondern als Talent betrachtet wird. Gardener leitete aus der Beobachtung von talentierten und begabten Menschen die Theorie der multiplen Intelligenzen ab.

Denkfehler Nr. 2: Katastrophen werden passieren

Das Katastrophendenken ist ein Mind-Killer, bei dem wir grundsätzlich davon ausgehen, dass die Zukunft etwas Unangenehmes birgt. Daraus entsteht eine Art Angst vor dem morgen. Es widerspricht zwar jeglicher rationaler Wirklichkeit, aber einige von uns machen eben aus der berühmten Mücke gerne einen Elefanten. In uns entsteht ein Lebensgefühl der existenziellen Unsicherheit und somit wird jedes Ereignis in unserem Leben als Vorbote eines schrecklichen Untergangsszenarios erlebt. Manche sagen auch, dass es eine typisch deutsche Denkhaltung sei, die Welt immer schlecht und angefüllt von Katastrophen wahrzunehmen. Aber wie dem auch sei, im Rahmen der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit wirkt so ein Denkfehler wie eine Bankrotterklärung. Neuorientierungen sind nahezu ausgeschlossen, denn wir befinden uns in einer Art Opferhaltung, die sich am besten mit einer allmächtigen Ohnmacht beschreiben lässt.

Wir befinden uns im Opferland und können nichts dagegen tun, da jeder Versuch, aus diesem Zustand herauszukommen, gefühlt wieder in einer Katastrophe enden wird. Ich erlebe dieses Denken bei meinen Klienten immer und immer wieder. Die Menschen kommen zu mir, weil sie unzufrieden sind, wollen jedoch die eigene Situation nicht ändern, weil sie glauben, dass die neue Situation eine noch größere Katastrophe darstellen würde. Dieses Denkmuster sorgt für eine Art Endlosschleife, aus der sich ein Mensch nur selten alleine befreien kann.

Es gibt genügend Beispiele in unserem Alltag für das Katastrophendenken. Schauen Sie sich um oder schauen Sie doch mal bei sich selbst. Wie viele Menschen halten an Beziehungen fest, die sie unglücklich machen? Wie viele behalten ihre Jobs, obwohl sie sich dort nicht mehr wohlfühlen, nur weil sie Angst haben, die Veränderung könnte noch schlimmer sein als die Situation, die sie augenblicklich ertragen. Die extremen Formen des Katastrophendenkens gehen dazu über, dass vergangene Schrecken oder auch das Unglück, welches anderen wiederfahren ist, als sehr wahrscheinlich für das eigene Leben angenommen werden.

Ein klassisches Beispiel für Katastrophendenker stellen Hypochonder dar, die aus jedem Wehwehchen eine totbringende Krankheit machen. Katastrophendenken versetzt die Menschen in Angstzustände, welche sie lähmen und passiv werden lassen und dies in Momenten wo das Gegenteil, nämlich Mut und Aktivität, gefragt ist.

Denkfehler Nr. 3: Sich und anderen Druck machen

Der dritte Mind-Killer ist einer meiner Lieblingsdenkfehler, denn er entspricht den Normen der heutigen Leistungsgesellschaft und ist daher sehr weit verbreitet. Gerade Führungskräfte sind der Meinung, dass sie sich selbst und ihren Mitarbeitern immer wieder Druck machen müssen, damit die Ziele des Unternehmens erreicht werden. Durch seine weite Verbreitung gehört dieser Denkfehler zu einem der übelsten Denkfehler überhaupt, da er nicht als ein Mind-Killer wahrgenommen wird. Eine der beliebtesten Formulierungen dieses Fehlers ist die Wenn-Dann-Formulierung. »Wenn du das nicht schaffst, dann bist du ein Loser.« Oder »Wenn du diese Chance nicht nutzt, dann war es das mit der Karriere.« Oder auch »Wenn Sie das nicht bis dann und dann hinbekommen, dann werde ich mich mir jemand anderen dafür suchen!« und so weiter.

Leider gehören diese Mono- und Dialoge in unserer Geschäftswelt zum Alltag und sind mitverantwortlich dafür, dass das Burn-out-Syndrom immer verbreiteter ist. Die extremste Form des Druckmachens ist blinder Aktionismus und hektische Betriebsamkeit, ohne den genauen Grund dafür zu kennen. Wobei es oft besser wäre, gerade ruhig zu werden und genau zu überlegen, was in der augenblicklichen Situation am sinnvollsten ist. Doch leider meldet sich der Druckmachen-Denkfehler bevor wir es schaffen, die Grundannahmen unserer bisherigen vielleicht nicht mehr stimmigen Entscheidung in Frage zu stellen.

Wie grotesk dieser Denkfehler ist, zeigt sich auch darin, dass die Menschen, die zu mir kommen, den berühmten Tritt in den Hintern von mir erwarten, obwohl sie von dem Druck, der auf ihnen lastet, schon ganz krank sind. Ich hinterfrage dann diesen Druck und versuche mit dem Klienten zusammen dahinter zu kommen, was eigentlich hinter dem Druck steckt. Oft werden gleich mehrere der fünf psychischen Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Also merkt der Klient gar nicht, dass es um die Befriedigung eines Bedürfnisses geht, weil er mit dem Druck das Bedürfnis selbst auszulöschen versucht.

Denkfehler Nr. 4: Die Selbstverleugnung

Am Beispiel der fünfzigjährigen Dame, die mit viel Druck drei verschiedene Unternehmen aufbaute und doch nicht glücklich wurde, konnten wir erkennen, dass es wichtig ist, sich selbst und seine Bedürfnisse zu kennen. Oftmals lässt sich aber das Gegenteil beobachten: Für die Karriere werden die eigenen Bedürfnisse hintangestellt. Hierbei handelt es sich dann schon um den nächsten Mind-Killer: Die Selbstverleugnung.

Oft steckt dahinter die Überzeugung: »Ich bin nur etwas Wert, wenn es allen anderen gut geht und ich habe dafür zu sorgen.« Menschen mit diesem Denkfehler stellen die Lebensinteressen von ihren Mitmenschen über die eigenen Bedürfnisse. Das Schlimme an dieser Denkweise ist, dass die Menschen diese Art zu denken mit allen Mitteln verteidigen. »Was wäre diese Gesellschaft, wenn jeder nur noch an sich denken würde und keiner mehr an seine Mitmenschen?« Verstehen Sie mich nicht falsch. Hier soll niemand zum Egomanen und reinen Hedonisten erzogen werden.

Es geht eher darum, einen gesunden Egoismus zu entwickeln. Einen Egoismus, der es Ihnen erlaubt, auf sich zu achten, sowohl psychisch als auch physisch gesund zu bleiben und es eben nicht allen recht machen zu wollen. Also auch mal nein zu sagen, wenn Sie etwas nicht wollen. Nach Unterstützung zu fragen, wenn Sie Beistand benötigen. – Ich könnte diese Liste noch seitenweise fortführen. Im Modus der Selbstverleugnung haben wir Angst davor, dass uns oder anderen etwas Schreckliches passieren könnte, wenn wir uns nicht aufopfern. Wir könnten anecken und uns Feinde machen. Vielleicht sogar unbeliebt werden oder Gegenwind bekommen, dem wir nicht standhalten können. Es mag dutzende tiefenpsychologische Gründe für die Selbstverleugnung geben: Glaubenssätze, Ängste, Prägungen, traumatische Erfahrungen, Befürchtungen und viele weitere mehr. Welche es auch immer sind, sie tuen Ihnen nicht gut, denn sie führen Stück für Stück zur Selbstaufgabe.

Obwohl Menschen mit einer altruistischen Einstellung für eine Gesellschaft enorm wichtig sind, erfahren sie leider viel zu wenig Wertschätzung. Ich habe Klienten in meiner Praxis erlebt, die mit Ihrer Opferrolle so eng verbunden waren, dass sie gar nicht mehr wussten, was ihre Bedürfnisse sind. Sie lebten schon so lange in der Selbstverleugnung der eigenen Wünsche, dass sie den Kontakt zu sich selbst vollkommen verloren hatten. Das ist sehr schade, denn aus Forschungen zum Thema Burn-out und Resilienz weiß die Wissenschaft inzwischen, dass Menschen besonders gut mit Krisensituationen umgehen können, wenn sie ihre eigenen Bedürfnisse kennen und sich ganz bewusst für Erfolge belohnen. Die persönliche Selbstwirksamkeit steigt also gerade dann an, wenn man sich nicht selbst verleugnet. Was also können Sie tun, um den Denkfehler Selbstverleugnung und damit verbunden die Selbstaufgabe zu vermeiden?

Denkfehler Nr. 5: Die Übermotivation

Kaum zu glauben, dass man sich nicht nur mit negativen Gedanken, sondern eben auch mit übertrieben positiven Gedanken blockieren kann. Überzogene Selbstmotivation, das ständige Sich-selbst-Anfeuern setzt uns genauso unter Druck wie die Selbstkritik und Selbstbeschimpfung. Im Mind-Killer der Übermotivation verlangen Menschen von sich, dass sie immer und überall gut gelaunt, optimistisch, selbstsicher und positiv sein müssen. Quasi mit dem Credo herumlaufen »Es gibt keine Probleme, sondern nur Lösungen.« Auch mit diesem Denkfehler verlieren wir den Blick für die Realität und laufen dem Trugschluss der Kontrolle und Orientierung hinterher.

Der Mind-Killer Übermotivation ist allerdings sehr schwer zu erkennen, da er häufig mit dem Gefühl von extremer Euphorie verbunden ist. Wir sehen unser Leben als eine einzige Erfolgsgeschichte und fühlen uns toll und unverwundbar. Es fehlt die Balance zwischen Misserfolg und Erfolg, da wir den Misserfolg vollkommen ausblenden. Die höchste Ausprägung dieser Übermotivation ist der Umgang mit Trauer aufgrund des Verlustes eines nahestehenden Menschen. Vor dreißig Jahren, war es noch üblich, ein Jahr Trauer zu tragen und zu jedem Familienfest dem Toten zu gedenken. Heute wird man schon befremdlich von seinen Mitmenschen angeschaut, wenn man noch eine Woche nach der Beerdigung Trauer trägt und nicht gleich wieder zur Tagesordnung übergehen kann.

Nicht selten bekommt man Sätze zu hören wie: »Stell dich nicht so an. Der Tote hätte bestimmt nicht gewollt, dass du so lange trauerst. Du musst jetzt nach vorne blicken.« Dies zeigt, dass Übermotivation mittlerweile ein gesellschaftlicher Trend geworden zu sein scheint. Jedoch kommen die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens zu dem Punkt, an dem sie nicht mehr die Kraft haben, ihren Übermotivationsdenkfehler aufrechtzuerhalten. Oft entstehen daraus neue Mind-Killer wie zum Beispiel der Druckmachen-Denkfehler oder eine übermäßige Selbstverleugnung.

Die Übermotivation hat häufig die Funktion, eine andere Schieflage im Leben zu kaschieren und uns mit einer Sache, die wir eigentlich verändern müssten, länger zu arrangieren als es uns gut tut. Wir motivieren uns immer wieder zum Durchhalten und Weitermachen. Dieser Mind-Killer ist keine Entdeckung der Erfolgreichen, sondern eben auch der Menschen, die das Gefühl haben, immer auf der Stelle zu treten und nicht aus dem Hamsterrad entkommen zu können. Sie übermotivieren sich mit der Absicht, ihrem Umfeld etwas beweisen zu müssen.

Bild: Johan Swanepoel - fotolia.com

Das Buch zum Thema:

Denkfallen

Jens Korz

Selbstwirksamkeit
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BusinessVillage 2015
ISBN: 978-3-86980-300-5

24,80 Eur[D] / 28,50 Eur[A] / 34,50 CHF UVP

Über den Autor

Der Persönlichkeitstrainer Jens Korz zählt zu den meistgebuchten Experten Deutschlands zum Thema Außenwirkung. Mit der Kombination aus Psychologie und den Grundlagen des Schauspiels motiviert er seine Teilnehmer immer wieder zu Höchstleistungen. » www.thekoach.de

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