Landgericht Hamburg verbietet Vertriebspartnerin per einstweiliger Verfügung den Vertrieb des Produkts „arego Life Adapt X.1“

Direct Selling   ●   Veröffentlicht von Netcoo Redaktion    ●   

Das Landgericht Hamburg (LG Hamburg Az. 327 O 21/20) hat einer Vertriebspartnerin per einstweiliger Verfügung vom 21.01.2020 den Vertrieb und jegliche irreführende Werbung für das offenbar aus den USA stammende und hierzulande von diversen Anbietern vermarktete Produkt „Arego Adapt X.1“ verboten. Das Verbot kann sofort vollstreckt werden.

Nach Kenntnisstand der Redaktion ist davon auszugehen, dass Verbote gegen weitere Vertriebspartner folgen. Entsprechende Verfahren sollen bereits laufen. Im Hintergrund scheint es einen Wettbewerbskrieg zu geben, in dem womöglich mehr als ein Wettbewerbsunternehmen gegen Arego Partner vorgeht.

Zum Hintergrund der einstweiligen Verfügung: Vorwurf von falschen Werbeversprechen und kein nachweisbarer Inhalt

Rechtsanwalt Stefan Musiol schreibt auf anwalt.de: Das Spray, das als eine Art Nahrungsergänzung in den Mund gesprüht werden soll, wurde ohne die gesetzlich vorgeschriebene Deklaration und ohne jeden sachlichen Hintergrund mit diversen Heilungsversprechen und Zusagen einer Gesundheitsverbesserung beworben. Diese Effekte sollen über Polyphenole (Pflanzenstoffe) aus Maisgras als Wirkstoff möglich sein. Im Übrigen soll das Produkt aus Wasser und Aromastoffen bestehen.

Laut Kenntnisstand der Redaktion, waren nach einer Analyse eines anerkannten Prüfinstituts in Stuttgart jedoch keinerlei Polyphenole im Produkt nachweisbar. Es wäre demnach möglich, dass solche vorhanden sind, jedoch unterhalb der chemischen Nachweisgrenze.  Bereits am 07.01.2020 hat die Anwaltskanzlei SBS Legal eine einstweilige Verfügung im Auftrag der Dr. Juchheim GmbH beim LG Hamburg erwirkt (AZ: 416 HKO 222/19). Auch SBS Legal teilte in einem Blogbeitrag mit, „das Produkt „Arego Adapt X.1 Spray“, bestehend aus Wasser und Maisextrakt, wird insbesondere damit beworben, dass die in dem Maisextrakt enthaltenen Polyphenole positive Wirkung auf den menschlichen Körper haben. In diesem Zusammenhang ist das Produkt „Arego Adapt X.1 Spray“ von zwei unabhängigen Laboren auf die enthaltenen Polyphenole untersucht worden. Es wurde festgestellt, dass der Polyphenolgehalt unterhalb der Nachweisgrenze liegt, und damit praktisch keine Polyphenole in dem Produkt enthalten sind.“

Weiterer Vorwurf: Irreführende Werbung mit wissenschaftlicher Studie und Patentschutz

In dem Blogbeitrag von RA Musiol von anwalt.de heißt es: Das Landgericht Hamburg hat insbesondere auch die Werbung mit einem in den USA erstellten Wirkungsnachweis verboten, der irreführend als „Doppelblindstudie nach Yale Standard“ bezeichnet wurde. Gegenstand einer im Zusammenhang mit Produktwerbung durch einen Anbieter veröffentlichten Studie war nach dem vorliegenden Studienbericht nur ein anderes Produkt mit anderen Inhaltsstoffen und nur dessen Wirkung auf den Schlaf und die Stimmung der Probanden…Der veröffentlichte Bericht enthält keine Angaben, ob und welche Menge von Extrakten aus Mais, Bambus und Weizen in de dort getesteten Produkt vorhanden waren, die als Inhaltsstoffe genannt werden. Mit den knappen Angaben des Berichts, die man schon deshalb wohl nicht als wissenschaftlich bezeichnen kann, lässt sich die Erhebung der Nachweise kaum nachvollziehen. Dennoch kam das dort geprüfte Produkt nach den im Bericht dargestellten Ergebnissen bei mehreren der geprüften Kriterien nicht über einen Placeboeffekt hinaus…Tatsächlich beworben haben einige Anbieter US-Patente, die sich nicht auf das angebotene Produkt bezogen. Dafür recherchierbare Patentanmeldungen in Europa waren entgegen der irreführenden Behauptungen der Anbieter erfolglos geblieben.

Das Landgericht verbot schließlich auch die Werbung mit einem angeblichen Patentschutz.

Anmerkung der Netcoo Redaktion:
Dieser Artikel wurde seit der Veröffentlichung durch eine weitere Recherche ergänzt. Die einstweilige Verfügung vom 21.01.2020 erfolgte ohne vorherige mündliche Verhandlung, jedoch könnte die betroffene Vertriebspartnerin noch Widerspruch einlegen. Dies dürfte allerdings auch eine Kostenfrage und eine Frage auf Aussicht auf Erfolg sein. Das Unternehmen hinter dem Produkt – Arego Life – scheint derzeit offiziell nicht in Deutschland ansässig zu sein, deswegen richten sich die Verfügungen wohl gegen die Vertriebspartner. Aufgrund der Verfügungen werden vermutlich weitere kostenpflichtige Abmahnungen erfolgen.

Wettbewerbstreitigkeiten im Direktvertrieb sind (leider) keine Seltenheit. Bereits in der Vergangenheit gab es größere juristische Auseinandersetzungen oder auch Massenabmahnungen. Häufig geraten dabei auch Vertriebspartner zwischen die Fronten der Unternehmen. Dies ist mehr als bedauerlich, denn häufig erwischt es Vertriebspartner auch aus der Unkenntnis heraus und das wird dann meistens teuer.  Hier sollte jeder Vertriebspartner selbst vorbeugen und sich notfalls vorab juristischen Rat einholen, welche Werbeaussagen man offiziell tätigen darf.

Netcoo wird in diesem Fall weiter recherchieren. Wir berichten in Kürze weiter…

Bild: Björn Wylezich – fotolia.com

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