Ilhan Dogan vs. LR Health & Beauty Systems: Respekt oder Respektlos?

Direct Selling   ●   Veröffentlicht von Netcoo Redaktion    ●   

“Dass Herr Plöger als Geschäftsführer heute hier nicht im Gerichtssaal sitzt, ist respektlos“, ereiferte sich Ilhan Dogan heute Morgen zum Prozessauftakt im Landgericht Münster gegenüber Dr. Buchmüller, dem Rechtsvertreter von LR Health & Beauty Systems.

Dass LR noch Provisionen in Höhe von 150.000 bis 160.000 Euro im Monat an ihn auszahle, dafür dass er ja quasi nichts tue, das sei ja nicht unbedingt selbstverständlich, erwiderte Buchmüller an anderer Stelle.

Respekt oder respektlos? Das war die Frage, die im (Gerichts)Raum stand. Doch im Kern ging es eigentlich um etwas ganz anderes: Was hat Ilhan Dogan mit Mehmet Göker zu tun? Augenscheinlich nicht viel. Außer, dass beide türkischer Herkunft sind. Doch Auslöser war eine E-Mail von LR-Geschäftsführer Tilo Plöger am 03.10.2013 an eine gewisse Frau Friedrich mit dem Inhalt: Smilie „So etwas kommt etwa heraus, wenn man mit Dogan einen Film drehen würde (Smilie)“. Gleichzeitig wurde diese E-Mail mit einem Link auf einen Handelsblatt Artikel mit einem Bericht über Mehmet Göker verweisen: „Mehmet Göker – Seine-Häuser- Seine Autos- Seine Vorbilder“. Gedeckte Meinungsfreiheit, Diffamierung, Rufschädigung, Ehrverletzung, etwas anderes, oder doch also gar nicht so schlimm? So ganz sicher war sich die Vorsitzende Richterin heute auch nicht. Sie tendierte zu beiden Seiten, zumindest gab sie beiden Seiten etwas Recht, auch wenn sie abschließend noch kein Urteil fällte. Das allerdings wird in Kürze erwartet.

Doch zurück zum Prozess: Ilhan Dogan hingegen fühlte sich durch diese E-Mail herabgesetzt, in seiner Ehre gekränkt und auf einer Stufe mit dem umstrittenen MEG-Gründer Mehmet E. Göker gleichgestellt (Hinweis der Redaktion: Mehmet Göker wird u.a. wegen der damaligen MEG Insolvenz, wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs per internationalem Haftbefehl gesucht und lebt derzeit in der Türkei. Ferraris, Champagner und rauschende Partys: Einst zählte Mehmet Göker zu den schillerndsten Unternehmern der Versicherungsbranche und bekam von Versicherern für den Verkauf von Krankenversicherungen auf Zuruf Millionen ausgezahlt.).

Es könne in seinen Augen nicht sein, dass ein Fünf-Sterne Präsident (die ranghöchste Position bei LR), dem LR Millionenumsätze zu verdanken habe, nach 25 Jahren so herabgesetzt werde und das auch noch von einem Geschäftsführer, der vielleicht gerade mal 6 oder 7 Jahre bei LR ist. Dies vermisse jeglichen Respekt ihm gegenüber als Top-Führungskraft. Wenn es schon Kritik an seiner Person gäbe, dann hätte man das auch in einem persönlichen Gespräch klären können.

So aber erfuhr Dogan in seinen Augen nicht nur eine Herabsetzung, oder eine Schmälerung seiner Erfolge, sondern verlor aufgrund dieser E-Mail ein angestrebtes Filmprojekt. Das zumindest ist seine Variante des Falls. Zum Hintergrund: Der Top-Berater schreibt derzeit ein Buch über seine Erfolgsgeschichte und stand diesbezüglich mit einer Agentur im Filmbereich von Frau Friedrich in Kontakt, die u.a wiederum auch Kontakte zu LR Health & Beauty Systems unterhält und hatte mit ihr ein Filmprojekt angestrebt. In dem Filmprojekt sollte es ebenfalls um seine Erfolgsstory gehen und auch sein Partnerunternehmen LR sollte hier eine entscheidende Rolle spielen. Über Umwege bekam Dogan Kenntnis von der Plöger-E-Mail. Frau Friedrich, so sagte zumindest Ilhan Dogan, brach nach Erhalt der Plöger-Mail den Kontakt zu ihm ab und das Filmprojekt war gestorben.

Hat Ilhan Dogan, eine zweifellos charakterstarke und verdiente Führungskraft bei LR, also etwas mit einem Kriminellen zu tun oder nicht? Die Vorsitzende Richterin sah in Ilhan Dogan den unbescholtenen Bürger. „Na,na, na“ erwiderte der gewiefte Taktiker Dr. Buchmüller. Ganz so sei es ja nicht und spielte auf die Untersuchungshaft im Jahr 2009 an. Damals ging es um Steuerschulden und Dogan kam nur auf Kaution durch LR auf freien Fuß. Doch dieser Vergleich hinkte und war auch relativ schnell wieder vom Tisch, nachdem sich Rechtsanwalt Schulenberg von der Kanzlei Schulenberg & Schenk für seinen Mandanten Dogan dafür einsetzte.

„Darf sich ein Geschäftsführer negativ gegenüber einer Top-Führungskraft äußern“, fragte Ilhan Dogan? Dr. Buchmüller vertrat diese Auffassung durchaus. Diese Aussage war aber wohl eher losgelöst von der E-Mail gemeint. Doch eben diese Aussage brachte Ilhan Dogan fast buchstäblich auf die Palme, so etwas könne doch nicht wahr sein und auch die im Sitzungssaal anwesenden LR Berater sahen sich verwundert an. Ist das also der Umgang, den ein Partnerunternehmen mit seinen Beratern pflegen darf? Ist das die Ethik und Moral die bei LR so hochgehalten wird? Dafür soll man seine Company dann auch noch lieben? Man konnte diese und ähnliche Fragen fast buchstäblich in den Gesichtern der verwunderten Berater ablesen.

Eigentlich wäre die Sache ruckzuck vom Tisch gewesen. Plöger solle ganz einfach die Unterlassung unterschreiben und damit wäre alles erledigt, so Dogan. Allen Beteiligten war klar, dass Plöger solch eine E-Mail wohl nie mehr verfassen würde, weder in seinem Namen noch im Namen von LR. Obwohl diese E-Mail vom LR-Mailaccount versendet wurde, war Dr. Buchmüller aber der Auffassung, dass LR als Unternehmen nicht als Beklagte in Betracht komme. Man könne quasi das Unternehmen bzw. deren Geschäftsführer nicht in Sippenhaft nehmen. Und überhaupt käme eine Unterlassung nicht in Betracht, daher wurde diese auch vehement abgelehnt. Buchmüller plädierte darauf, das durch Urteil des Gerichts entschieden werden solle.

Es wurde aber immer klarer, dass dieser Prozess ein reines Vorgeplänkel ist. Grundsätzlich geht es um mehr und die dicken Brocken werden wohl erst noch kommen. Insgesamt gibt es bisher 5 angestrebte Dogan Prozesse gegen LR. Und so wie es aussieht, sind die Fronten ziemlich verhärtet. Und es geht wohl auch um Geld und zwar um ganz viel Geld. Dogan betonte mehrfach, wenn LR sich doch so sicher sei, dann solle man ihn doch kündigen. Ein Satz, der für ein Erdbeben innerhalb der LR-Partnerschaft sorgen könnte. Denn wenn dieser Fall tatsächlich eintreten würde, dann dürfte sich wohl kein Berater mehr sicher fühlen, so hätte man es zumindest in den Gesichtern einiger LR-Berater lesen können.

LR-Deutschland? LR-Türkei?
Aber davor dürfte LR wohl zurückschrecken, auch Buchmüller äußerte sich dazu nicht. Eine Kündigung könnte LR zig Millionen kosten, Dogan ist seit 25 Jahren im Unternehmen und sorgt mit seiner Vertriebsorganisation für Millionenumsätze. Aber Dogan könnte auch leer ausgehen.

Denn in den vergangenen 2 Jahren, auch das wurde klar, haben sich die Parteien bereits versucht zu einigen, aber relativ erfolglos. „Das ist eben der Grund, warum wir heute hier sitzen“, erklärte Rechtsanwalt Schulenberg in einem 2. Prozess nur eine Stunde später gegenüber der Vorsitzenden Richterin, die mit LR und seinem Vertriebssystem aus vergangenen Fällen recht gut vertraut war.

Auch dieser Prozess war nicht minder unspektakulär, doch wurde er vom Ergebnis her vertagt. Der Richterin lagen nämlich keine Verträge vor und ebenfalls fehlte ein Schriftsatz. So kam aber dennoch zum Vorschein, dass LR Dogan seit Jahren systematisch vom Informationsfluss abschneide und zu den Top 20 Meetings nicht mehr einlade. Laut Dogan mit fadenscheinigen Begründungen, auch gegenüber anderen Top 20 Beratern, die seiner Ansicht nach erlogen sind.

Auf Nachfrage der Richterin erwiderte Andreas Grootz, LR-Head of Legal, hierfür (für die Informationen) sei LR-Türkei zuständig und nicht LR-Deutschland. Dogan erwiderte darauf hin, dass er mit seiner Organisation 70 Prozent der Umsätze in Deutschland mache und von LR-Türkei noch nie eine Information diesbezüglich erhalten habe. Einig waren sich die LR-Juristen aber in dem Punkt, das hier deutsches Recht anzuwenden sei.

Die Richterin aber sprach durchaus mahnende Worte: „Es sei für die Parteien besser, man einige und trenne sich. Alles andere bringe wohl nur wenig, koste nur Geld, auch wenn Geld hier wohl keine große Rolle spiele.“ Noch ist in diesem Fall zwar nichts entschieden, doch schmälerte die Richterin die Aussicht auf Erfolg auf Schadensersatz für Dogan. Und auch für LR gab es mahnende Worte: Für das Unternehmen solle es kein großes Problem sein, Dogan mit den ihm zustehenden Informationen als Top-Führungskraft zu versorgen oder zu Meetings einzuladen.

Und dann kam unweigerlich die Frage auf, mit wem hat Dogan überhaupt einen Vertrag: Mit LR-Deutschland oder LR-Türkei? In seinen bisherigen Verträgen galt Dogan quasi als unkündbar, so wie viele Top-Berater. Dieses Recht wurde ihm aber offenbar in seinem aktuellen Vertrag genommen. Geklärt ist das noch lange nicht, aber der (neue/umgeschriebene) Vertrag wird derzeit von den Dogan Anwälten angefochten. Es dürfte also nicht verwundern, wenn der eine oder andere Orgaleiter heute Abend in seinen Vertrag schaut und insbesondere die Schlussbestimmungen lesen wird.

Das LR und Dogan überhaupt noch einmal zusammenfinden, dürfte nach jetzigem Stand der Dinge nicht absehbar sein. Hinter vorgehaltener Hand wurde von dem einen oder anderen darüber spekuliert, ob LR Dogan durch diese ominöse Vertragsumstellung ins Leere laufen lassen wird? Nach 25 Jahren, alles „Aus und Vorbei“ und das möglicherweise ohne Abfindung? Gerüchte, die bisher niemand bestätigen mag.

Dogan aber zeigte sich kampfbereit und deutet gegenüber der Presse an, dass durch die Prozesse noch eine Menge ans Tageslicht komme werde. Und auch Dr. Buchmüller kündigte ähnliches an. Es bleibt also weiterhin spannend. Alles klingt nach einem hollywood-reifen Wirtschaftskrimi der stückweise ans Tageslicht kommt.

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