Ein Kommentar: ZDF Frontal21: Die Party ist vorbei – Ausbeutung bei Tupperware!

Direct Selling   ●   Veröffentlicht von Netcoo Redaktion    ●   

Tupperware

Gestern lief im ZDF ein Bericht über das US-Unternehmen Tupperware. Schon der Teaser auf der ZDF Frontal21 Webseite sagte einiges über den Beitrag aus: Die Party ist vorbei – Ausbeutung bei Tupperware! Es ist bloß eine Box aus Plastik, aber Hausfrauen in Deutschland feierten die Tupperdose vor 50 Jahren als Sensation. Legendär ist auch das Vertriebskonzept des Frischebehälters, die Tupper-Party. Doch derzeit gibt es wenig Grund zum Feiern: wachsende Konkurrenz, eingebrochene Umsätze, kein Online-Shop. Nun hält sich das Unternehmen offenbar an eigene Mitarbeiter und deren Familien. Die verschulden sich bis zur Pleite. Frontal21 über teure Tupperware und sechsstellige Privatschulden.

Und so kam es auch wie es angekündigt war, ein Bericht der Tupperware und inbesondere Tupperware Deutschland überhaupt nicht schmecken dürfte. Zum Bericht: Mit versteckter Kamera wurde u.a. eine Tupperware Veranstaltung gefilmt. Zu Wort kam anschließende Diplom-Psychologe Gerd Reimann, dieser sprach von Gruppendruck sowohl im Positiven wie im Negativen Sinne, davon das ein soziales Umfeld geschaffen würde, welches eine stärkere Bindung beinhaltet als die eigene Familie. Darüber hinaus würde eine Wertewelt geschaffen, in der es nur Tupperware und nichts anderes gäbe.

Frontal21 berichtete, dass die Umsätze von Tuppeware Deutschland mehr schlecht als recht liefen und verwies dabei auf den Bundesanzeiger. Seit 2008 ist der Umsatz in Deutschland um fast 30 Millionen Euro eingebrochen. Die Konkurrenz nehme zu, es gebe nicht mal einen Online-Shop. Ausbaden müssten dies nun die Verkäuferinnen. Zu Wort kamen so auch anonym ehemalige Tupperware Beraterinnen und Tupperware Bezirkshändlerinnen.

„Bei einer Party pro Woche könne man gerade einmal 50 bis 100 Euro im Monat verdienen, nach Abzug der Bezinkosten, sonstigen Kosten etc. bliebe nichts mehr übrig,“ hieß es frustrierend über das Vertriebskonzept. Claudia Groß, Marketing-Expertin, Raboud Universität Nijmegen (hat ein Doktorarbeit über Tupperware und deren Methoden geschrieben) bemängelte die Transparenz bei Tupperware. „Man wisse gar nicht wie viele Beraterinnern welches Verdienstniveau erreichen und wie hoch der durchschnittliche Umsatz ist.“

Für wenig Geld leisten die Beraterinnen Drückerdienste und für einige Tupperware Bezirkshändlerinnen stehe sogar die Existenz auf dem Spiel, heißt es weiter in dem Beitrag. Eine ehemalige Bezirkshändlerin sprach von einer Spirale der Abhängigkeit und Kreditschulden bei dem Unternehmen, da sie ihre Ware nicht mehr los wurde.

Tupperware selbst äußerte sich nicht vor der Kamera sondern schriftlich: „Bezirkshändlerinnen gehen kein finanzielles Risiko für bestellte Ware ein, denn im Falle von zu viel bestellter Ware kann diese an Tupperware zurückgegeben werden.“ Doch die ZDF Frontal Informantin beklagte angebrochene Ware könne nicht zurück gegeben werden und die Verpackungen seien überdimensioniert. Interne Rechnungen für Kommissionsware die Frontal21 vorliegen, belegen in diesem Fall, dass die Schuldenlast nun fast 60.000 Euro betragen.

Tupperware lehnt eine Mitschuld ab und teilte mit, dass „Bezirkshändler selbständige Unternehmer sind….Tupperware fungiert nur als Hauptlieferant für Produkte.“ Frontal21 berichtete weiter, dass der vorliegende Bezirkshändler Vertrag kaum nach Selbständigkeit und Unabhängigkeit klinge: „Der Bezirkshändler verpflichtet sich…………… ….keine anderen Artikel zu vertreiben oder andere Waren als Tupperware Produkte im Wege des Heimvorführungssystems……….vorzustellen, anzubieten oder zu verkaufen.“

Claudia Groß: „Rechtlich gesehen sind sie selbständig, in ihrer unternehmerischen Tätigkeit scheinen sie selbständig zu sein. Die Produkte sind festgelegt, die Preisgestaltung, die Art wie sich das Unternehmen auf dem Markt präsentiert und die Provisionen.“

Falsche Versprechen, Ausbeutung, Schuldenfalle, so haben Betroffene einen Direktvertrieb erlebt, der sich gerne familiär gibt und ganz viel Spaß bringen will, war der Abschluß der Frotal21 Reportage untermauert mit einer Videoeinbindung einer Tupperware Veranstaltung auf der gesungen wurde: Heute feiern wir eine Tupperparty.

Auf der Webseite des ZDF ist der gesamte Bericht zu sehen.

Netcoo Anmerkung:

Insgesamt ließ der Bericht Tupperware in ein sehr fahles Licht erscheinen. Doch auch hier muss man Abstriche machen: Einige ZDF-Magazine sind hinlänglich für ihre kritische Berichterstattung zum Thema Direktvertrieb /Network Marketing bekannt. Auch wenn die persönliche Situation der betroffenen Beraterinnen nach Empörung schreit, kam in diesem Beitrag wohl eher frustrierte und weniger erfolgreiche Beraterinnen zu Wort. Das wiederum machte den Bericht sehr einseitig.

Als Ausgleich hätte man auch erfolgreiche Beraterinnen oder Bezirkshändlerinnen und andere Experten zu Wort kommen lassen können. Tupperware Deutschland ist langjähriges Mitglied im Bundesverband Direktvertrieb (BDD). Die Verhaltensstandards des BDD verpflichten das Unternehmen dazu: „Außendienstmitarbeiter weder direkt noch mittels wirtschaftlicher Anreize dazu zu veranlassen, unverhältnismäßig große Lagerbestände anzulegen. Bei der Verhältnismäßigkeit eines Lagerbestandes sind zu berücksichtigen die Verdienstmöglichkeiten, Art der Produkte und deren Absatzmöglichkeiten, Unternehmenspolitik bei Rücknahme und Rückvergütungen.“

Diesbezüglich sollte sich das Unternehmen selber hinterfragen und auch in Sachen Pressearbeit kann das Unternehmen noch einiges lernen. Denn anstatt sich vor der Kamera direkt und unmittelbar zu äußern, zog es das Management lieber vor sich schriftlich zu äußern. Transparenz sieht an dieser Stelle wirklich anders aus.

Bild: Tupperware

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