Dogan gegen LR & Co: die perfekte Vorlage für einen Hollywoodthriller

Direct Selling   ●   Veröffentlicht von Netcoo Redaktion    ●   

Am 8. und 9. Mai feierte Deutschlands Direktvertriebs-Unternehmen LR Health & Beauty Systems sein 30-jähriges Jubiläum in Berlin.

Für die Global Leader Convention kam sogar „Stirb langsam“-Hollywood-Star und LR-Duft-Promi Bruce Willis nach Deutschland und hat es sich nicht nehmen lassen, den LR-Partnern höchstpersönlich zum Geburtstag zu gratulieren. Doch ein Star fehlte bei dieser LR Star Night: Top Leader und 5-Sterne Präsident sowie einziger Senior Präsident des Unternehmens: Ilhan Dogan. Ausgerechnet der, der mit seiner Vertriebsorganisation maßgeblich zu einem großen Anteil der LR-Umsätze der letzten 25 Jahre beigetragen hat. Der, dem es LR auch zu verdanken hat, dass sie heute da stehen wo sie heute stehen. Dogan aber durfte nicht kommen. Dogan wurde gar nicht erst eingeladen.

Ein Hammer. Das allerdings ist nicht das erste Mal, dass der Top-Leader nicht eingeladen wurde. Schon am 30.06.2014 wurde er von der bevorstehenden Geburtstagsparty der LR in Frankreich ausgeladen. LR begründete dies: „…angesichts der rechtlichen Auseinandersetzungen in den letzten Monaten…und ..zumal auf der Veranstaltung die Geschäftsführung vollständig anwesend sein wird…“ Zu diesem Zeitpunkt war noch der ehemalige McKinsey Mann Dr. Jens Abend CEO des Unternehmens. Unterschrieben wurde die Dogan-Ausladung jedoch von Thomas Heursen, Director Global Partner Relations, und Patrick Sostmann, Chief Sales Officer.

In der Tat, es sind die rechtlichen Auseinandersetzungen und die öffentlichen Gerichtsprozesse, die die ansonsten scheinbar heile LR-Welt stören könnten. Und davon hat LR in diesem Jahr eine ganze Reihe. Einer davon wurde am Dienstag, den 12.05. vor dem Landgericht Münster eingeläutet.

Und dieser Prozess war in der Tat spannender als der vorherige, den der Top-Leader im Nachgang übrigens verloren hat (siehe hier). 1:0 für LR würde man im Fußball sagen. Aber so wie es aussieht, haben die Spiele jetzt erst richtig begonnen. Um auch gleich in der Fußballsprache zu bleiben: Die nachfolgenden Spiele (Prozesse) werden sicherlich Champions League Niveau erreichen. Auf der einen Seite der Selfmade-Millionär und einer der besten LR-Berater weltweit, Ilhan Dogan, und auf der anderen Seite der Multi-Millionen Konzern LR Health & Beauty Systems aus Ahlen. Dies scheint aber kein Kampf David gegen Goliath, sondern ein Kampf auf Augenhöhe. Ein Kampf mit harten Bandagen, in dem eine gütliche Einigung wohl vorerst ausgeschlossen zu sein scheint.

Schon zu Beginn des Prozesses knallte es heftig oder anders ausgedrückt: die Vorwürfe des Top-Leaders waren ein Knaller. So mancher Teilnehmer auf der Zuschauerbank dürfte bei den Worten: Personenschutz, Mordnummer, Bedrohung, Scharfschütze, Eliminierung, Fernhalten, Ware waschen, Aussortieren, zusammengezuckt sein. Und diesmal waren es auch mehr Teilnehmer als beim letzten Mal. Selbst LR schickte neben seinen Anwälten Dr. Buchmüller und dem Justiziar Grootz eine Abordnung der Compliance Abteilung.

Die Sache hat also eine ziemliche Brisanz angenommen und LR hat anscheinend wenig Interesse daran, das gewisse Informationen von Dogan in die Öffentlichkeit kommen. Zumindest Justiziar Grootz ließ dies so verlauten. Doch Dogan hob demonstrativ einen Stapel Beweispapiere aus seinem Koffer und sagte, dass LR in der Vergangenheit selbst Sachen bewusst in die Medien bzw. in die Öffentlichkeit gestreut habe. Und das wäre bei weitem noch nicht alles, „er könne ja mal richtig anfangen zu reden“, war sein Tenor.

Dass die breite Öffentlichkeit von all dem jetzt nichts mehr mitbekommen werde, scheint wohl ausgeschlossen, denn durch die Prozesslawine (insgesamt 6 Klagen von Dogan gegen LR) wird jetzt einiges ins Rollen kommen. Und diese Vorwürfe haben es in sich: Das perfekte Drehbuch für einen filmreifen Hollywoodthriller.

2008: Eine Zusammenarbeit auf Lebenszeit

Doch der Reihe nach: Die Partner- und Freundschaft von Dogan und LR ist wohl endgültig zerbrochen. Ein Einigungsversuch vor einigen Wochen in Münster brachte auch nichts, Dogan sei nicht einmal mal mehr bereit gewesen die Hände der Geschäftsleitung zu schütteln, führte Dr. Buchmüller vor Gericht ins Feld. Dogan kommentierte dies läppisch: „Das brauche ich auch nicht.“

Kein Wunder, denn Dogan fühlt sich von LR mehr als hintergangen, er fühlt sich wohl eher ausgenutzt und benutzt. Dabei sah es im Jahr 2008 noch ganz anders aus, denn LR hatte die Zusammenarbeit mit ihm und anderen Top-Führungskräften auf Lebenszeit ausgelegt. Zu diesem Zeitpunkt war sich LR der besonderen historischen und zukünftigen Bedeutung seiner Top-Führungskräfte bewusst und schätzte die Zusammenarbeit mit ihnen so sehr, dass man diese für immer fortsetzen wollte. Dazu gab es von LR sogar eine Selbstverpflichtungserklärung, die kurz vor Weihnachten von dem damaligen CEO Dr. Jens Abend höchstpersönlich unterschrieben wurde. Nur bei groben Verstößen überhaupt könne LR eine außerordentliche Kündigung gegen Top-Führungskräfte aussprechen, ein absoluter Vertrauensbeweis der Company für seine Top-Leader. Dazu hatte Dogan eine Unkündbarkeit in seinem Orgaleiter-Vertrag.

Ein Ausnahme-Networker

Man sollte also meinen, dass man darauf seine Zukunft aufbauen könne. Ilhan Dogan jedenfalls baute schon jahrelang seine Zukunft mit LR auf. Schon damals, in den 90er Jahren, gehörte er sehr schnell zu den besten und erfolgreichsten Führungskräften weltweit und erreichte später als erster die 5-Sterne Präsidenten Stufe. Und selbst die Position Senior President wurde im damaligen Marketingplan extra wegen ihm geschaffen. Und so ist es wirklich kein Wunder, dass LR einen Großteil seiner Umsätze Dogan und seiner Vertriebsorganisation zu verdanken hat. Schließlich machte Dogan in Spitzenzeiten mit seiner Orga rund 10 Mio. PW im Monat.

Doch der türkischstämmige Top-Leader war noch nie eine „pflegeleichte“ Führungskraft. Er sagt immer „frei Schnauze“, was er denkt und fühlt. Seine Partner sind ihm dabei das Wichtigste und er führt seine Vertriebsorganisation immer als Vorbild. Vermutlich hat auch niemand mehr Kaltkontakte und persönliche Erstlinien in seiner LR-Karriere gesponsert als Ilhan Dogan, sein absolutes Spezialgebiet. Durch sein Coaching und sein Ausbildungssystem sind auch viele Führungskräfte entstanden, die sogar heute der Top 20 von LR angehören. Dogan ist, das kann man zweifellos sagen, ein Ausnahme-Networker, einer mit vielen Ecken und Kanten. Damit macht man sich zwar nicht immer Freunde, auch nicht in der Top 20, doch das nimmt Dogan in Kauf. Er ist eben so wie er ist und so ist er gut, vielleicht ist er so am besten und damit einigen, auch in der Top 20 und der LR-Geschäftsleitung, ein Dorn im Auge. Dogan sammelte in seiner LR-Karriere Auszeichnungen über Auszeichnungen, bekam Ehrungen über Ehrungen und verdiente dabei viel Geld. Er war das Aushängeschild für LR. Ein Vorbild, nach dem sich viele LR-Partner richten konnten.

Die 1. Mio. Euro Vereinbarung

Doch irgendetwas gravierendes muss in den Jahren zwischen 2009 und 2014, in der Ära von Dr. Abend vorgefallen sein. Ein Aufklärungsversuch: Hilfesuchend soll sich Abend 2009 an Dogan gewandt haben, als sich ein Wettbewerbskrieg zwischen dem Alt-Eigentümer Spikker und LR abzeichnete. Dogan, Nr. 1 Berater mit einer weltweit agierenden Vertriebsorganisation, war bereit für LR gegen die Network World Alliance (NWA), die Spikker als Gegenstück zu LR am Markt positionieren wollte, zu kämpfen.

Dabei muss man wissen, dass Spikker und Dogan früher Buddies, so etwas wie beste Freunde waren. Aber das ging irgendwann auseinander, denn während für Spikker nur NWA zählte, zählte für Dogan nur LR. LR, ja das war eben sein Leben.

Dogan war zu diesem Zeitpunkt die einzige Führungskraft, die sich öffentlich, auch in Videos, gegen Spikker, zur Wehr setzte. Dogan setzte sich für LR, sein LR-Geschäft und seine Vertriebspartner energisch ein. Seinen Einsatz belohnte LR im Jahr 2011 sogar mit einem Schreiben an Dogan, in dem man ihn, so Dogan „als Retter von LR“ darstellte.

Für Dogan war die NWA-Zeit 2009 / 2010 aber alles andere als leicht. Bewaffneter Personenschutz wurde an seine Seite gestellt, da es anscheinend akute Gefährdungslagen und Bedrohungsszenarien gab. Zu diesem Zeitpunkt war eine Firma namens Esecon und /SAEC für LR /Apax (den damaligen Eigentümer) tätig und stellte u.a. das Sicherheitspersonal oder beauftragte Subunternehmen damit. NWA, dass weiß man heute, ist Geschichte, dass Unternehmen ging 2011 krachend in die Insolvenz. Doch das was dazwischen bzw. was danach Dogan widerfuhr ist nicht Geschichte.

Geld wieder weg

Obwohl man zunächst Seite an Seite gekämpfte hatte, muss es schon in der Esecon-Zeit und insbesondere im Jahr 2012 zwischen LR und Dogan kräftig gebrodelt haben. Dogan fühlt sich in seiner Arbeitsweise von LR massiv behindert und gebremst. Es muss so sehr gekocht haben, dass die Parteien irgendwann im April 2013 eine Vereinbarung geschlossen haben, in der sich die eine Seite (Dogan) verpflichtete auf sämtliche Ansprüche wie z.B. Schadensersatzansprüche, Ansprüche wegen Ungleichbehandlung, Ansprüche wegen Imageschäden im Zusammenhang mit der Situation mit NWA etc. gegenüber LR / Alov zu verzichten. Und die andere Seite dafür rund 1. Mio. Euro an Dogan im Gegenzug ausgezahlt haben soll. Dafür sollte Dogan aber auch stets Wohlverhalten gegenüber LR und verbundenen Unternehmen garantieren.

1. Mio. Euro? Das ist eine ganze Stange Geld und wahrlich kein Pappenstiel. Sieht aber auch irgendwie nach Schweigegeld und Schuldeingeständnis von LR aus, ist es aber wohl nicht. Denn das ganze läuft nämlich unter dem Namen „Vereinbarung“ mit Stillschweigeabkommen. Vermutlich sollten weder die Öffentlichkeit noch andere LR-Berater davon erfahren. Hätten sie auch nicht, wenn, ja, wenn LR nicht wieder tätig geworden wäre.

Das Verwirrspiel

Denn genau diese Million holte sich LR schon ab Februar 2014 wieder. Anfang Februar schickten Dr. Jens Abend und Tilo Plöger (COO) Dogan im Namen der LR Health & Beauty Systems eine kräftige Abmahnung. Da er auf „das Gröbste gegen gesetzliche und vertragliche Verpflichtungen verstoßen hätte“. Dazu wurde Dogan darauf hingewiesen, dass aufgrund seines Verhaltens eine Rückforderung in Höhe von 1 Mio. Euro fällig werde. Wie das aussieht, dazu wolle man gesondert auf ihn zukommen.

Und wie das aussah, war wohl ganz einfach: LR hielt ab Februar 2014 seinen ihm zustehenden Monatsbonus ein. Und zwar solange bis die Million wieder drin war. Peng.

Ein Schelm wer etwas Böses dabei denkt. Für LR scheint alles seine Richtigkeit zu haben. Für Dogan aber nicht. Für ihn und seine Anwälte ist es ein erfundener Sachverhalt. Und danach könnte es wirklich aussehen, zumindest wird der Eindruck erweckt.

Denn von jetzt an beginnen die Verwirrspiele. Was hat Dogan überhaupt gemacht? Wer klagt gegen wen, wer ist überhaupt Vertragspartner, und wer nicht?

Ein weiterer Aufklärungsversuch: Die Firma, die die 1 Mio. Euro an Dogan ausgezahlt hat, die taucht in der Klageschrift nicht auf. Ja auch sonst ist die Firma irgendwie unsichtbar. Nach unserem Kenntnisstand soll es sich um die Alov S.a.r.l in Luxemburg gehandelt haben. Aber wo ist diese Firma? Hat Alov die Million gezahlt und die LR Health & Beauty Systems, die Vertriebsgesellschaft, jetzt den Bonus einbehalten?

Dogan richtete seine Klage gegen die LR, genauer gesagt gegen die LR Global Holding GmbH, dann auch gegen die LR Health & Beauty Systems. Strittig ist noch, ob die Klage auch gegen die LR-Türkei auszuweiten sei, denn von dort aus erhält Dogan seinen Bonus seit April 2011.

Für LR-Deutschland ist LR-Türkei Dogans Vertragspartner, das zumindest scheint die Auffassung von LR zu sein. Allerdings kommen die Dogan-Bonus-Gelder aus Deutschland, da LR-Türkei überhaupt kaum in der Lage wäre, den Bonus für Dogan in der vollen Höhe (geschätzt 150.000 Euro im Monat) auszuzahlen. Die Umsätze seien dafür in diesem Land anscheinend zu niedrig, berichten Brancheninsider.

Für Dogan aber ist strittig, ob LR-Türkei überhaupt sein wahrer Vertragspartner ist oder ob sein Vertrag mit der Türkei möglicherweise sogar nichtig oder anfechtbar ist. Anscheinend hat man ihm diesen Orgaleiter-Vertrag im Jahr 2011 im „gutem Glauben“ untergejubelt und ihm so geschickt das Recht auf Unkündbarkeit entzogen. Denn erst in den Schlussbestimmungen wird darauf hingewiesen, dass „LR berechtigt ist, Rechte und Pflichten aus diesem Vertrag oder den Vertrag als Ganzes an ein mit ihr im Sinne des Aktiengesetzes verbundenes Unternehmen zu übertragen.

Wenn man bedenkt, dass LR mehrere Tochterunternehmen unterhält, dann kann man sich ausmalen in welche Richtung das vielleicht einmal gehen könnte. Vielleicht wird aus einem türkischen OL-Vertrag mal ein Vertrag in Rumänien, Bulgarien oder Kasachstan. Ganz nach gutdünken der LR.

Wie sich das wirklich mit dem Orgaleiter-Vertrag und der Nichtigkeit und/ oder Anfechtbarkeit verhält, wird sich wohl erst in einem weiteren Prozess im Juni klären. Wie dem auch sei, in einem Zeitraum von 6 Monaten (nach unserem Kenntnisstand Februar bis August) im Jahr 2014 hat Dogan auf einmal keine Provisionen mehr bekommen. Er nennt es „finanziell ausbluten lassen“. Rund 1 Mio. Euro wurden in seinen Augen mit den fadenscheinigsten Begründungen und einer Hinhaltetaktik nicht an ihn ausgezahlt. Danach gab es aber überraschender Weise eben wieder Geld – bis heute. Nur eben diese 1 Mio. nicht.



Buchmüller betonte gegenüber der Vorsitzenden Richterin Dr. Bergmann, die schon im ersten Dogan Prozess im Februar den Vorsitz übernahm, „dass man keine Beträge schulde, sondern einbehalten hätte. Es wäre auch nicht unstreitig, ob der Anspruch zur Zahlung grundsätzlich fällig wäre“.

Aha – jetzt kommt also Licht ins Dunkle. Aber denkste. Wer Buchmüller kennt, weiß, dass er ein geschickter Taktiker und ein alter Fuchs seines Metiers ist. Denn Buchmüller fragte gleich zu Beginn des Prozesses in Richtung Dogan: „Ist es richtig, dass Sie seit spätestens Anfang 2014 keinerlei vertriebliche Tätigkeit mehr ausgeübt haben?“

Was das denn jetzt mit dem Einbehalten des Bonus zu tun habe, entgegnete Dogan. Buchmüller konterte geschickt: „Was das damit zu tun hat, beurteilt das Gericht“. Er bräuchte diese Frage nicht zu beantworten, warf Dogans Anwalt Becker ein. Und Dogan tat es auch nicht.

Buchmüller hielt diese Frage aber wohl für sehr relevant und stellte Dogan eine weitere Frage: „Ist es richtig, das Sie seit spätestens Anfang 2014 psychisch schwer erkrankt sind, Sie sich in psychiatrischer Behandlung befinden und uns (LR) Atteste vorgelegt haben, aus denen es sich ergibt, dass Sie gar nicht arbeiten konnten…..?“

Hier schritt aber die Richterin ein: „Warum legen Sie denn nicht die Atteste selbst vor, wenn Sie das vortragen wollten, denn Sie müssen ja nicht die Gegenseite dazu bringen etwas vorzutragen, denn das ist ein Parteiprozess.“

Und auch Dogan hakte direkt ein: „Das macht doch Herr Buchmüller immer. Er geht immer vom Thema ab, statt am Thema zu arbeiten.“

Buchmüller bohrte allerdings weiter nach und konterte: „Was das mit dem Thema zu tun hat, da komme ich noch gleich drauf“. Und fragte noch einmal: „Ist das richtig, Herr Dogan?“

Jetzt wurde es Dogan zu bunt: „Ich frage ja auch nicht, ob Sie zu viel Alkohol getrunken haben.“. Ob das eine geschickte Anspielung auf den LR-Anwalt war oder nur so daher gesagt, konnte nicht geklärt werden. Dogan beließ es dabei.

Eine aber durchaus interessante Fragestellung des LR-Anwalts, konnte man doch seine Strategie dadurch etwas erkennen. Zumindest erschien der Eindruck, als verfolge LR bzw. Buchmüller damit eine Strategie, getreu dem Motto: Ilhan Dogan ist ein kranker Mann, der sich in psychiatrischer Behandlung befinde und seinen Pflichten nicht nachkomme? Und man ihm nur deshalb aus Goodwill überhaupt noch Bonus auszahle? Es roch förmlich danach…..

Die Vorsitzende Richterin versuchte dann aber schnell wieder Sachlichkeit in den Prozess zu bringen. Sie war bestrebt zwischen den Parteien zu vermitteln. Das hat sie übrigens im ersten Prozess auch schon versucht. „Ob es nicht doch eine Einigung geben könnte bzw. was man überhaupt voneinander wolle“, richtete sie ihre Frage an Buchmüller und Dogan.

Und jetzt wurde es richtig spannend, denn Ilhan Dogan holte kräftig aus:Es sei ganz klar, die Strategie von LR sei, ihn aus dem Geschäft zu nehmen. Man wolle ihn eliminieren, ihn demotivieren. Von Seminaren ausladen, Gründe finden, warum er nicht mehr deutscher, sondern türkischer Berater sei. Man wolle ihn psychisch zermürben, seinen Bonus einbehalten, damit er finanzielle Probleme bekomme, damit er wieder die Dinge tue, die LR gerne möchte. Damit er von seinen Führungskräften wegbleibt, denn je länger er von seiner Orga weggehalten würde, desto mehr hätten die Partner das Gefühl, er würde sie im Stich lassen und es würde der Eindruck entstehen, er hätte keine Lust mehr und er wäre negativ. Das Image des Bad Boys werde gezielt von LR gefördert“, so sein Vorwurf.

„Viele Jahre habe ich das geschluckt. Und viele LR-Partner hätten das gleiche Problem, nur diese würden sich eben nicht trauen, sich gegen LR zu erheben, weil ihnen dazu die finanziellen Rücklagen fehlen würden. Diese Partner hätten außerdem Angst und würden sogar zum Teil bedroht werden und befürchten zudem Sanktionen von LR“, führte Dogan weiter aus.

Doch er hätte die Kraft sich zu wehren, einerseits für sich und andererseits für seine Partner. Er habe die ganze Lügerei satt. Wie tief das Tischtuch zerschnitten ist, wurde klar als Dogan sagte, er sei selbst von der 30 Jahre LR-Feier ausgeladen worden.

Die Ausladung oder Nicht-Einladung war für einige Führungskräfte im Gerichtssaal überhaupt nicht nachzuvollziehen. Es wird ausgerechnet der Mann nicht ein- oder ausgeladen, der mit seiner Organisation in den vergangenen Jahrzehnten zum Großteil der LR-Umsätze überhaupt erst beigetragen hat? Wie kann das sein? Da kam unweigerlich bei einigen die Frage auf, wo LR heute überhaupt wäre, wenn es Dogan nicht geben hätte?

Dogan war mehr als empört und holte weiter aus: „Warum haben die (LR) nichts gegen mich? Warum klage ich gegen LR? Warum klagt LR nicht gegen mich, wenn sie mich als bösen Buben haben?“

Noch 2011 bin ich der Retter von LR gewesen“, so Dogan und verwies auf ein Schreiben mit 4 Unterschriften der LR-Geschäftsleitung. Eine Anspielung auf sein Engagement gegen die Spikker Firma NWA.

Und dann wurden die Vorwürfe noch stärker: „LR hat Berater gekauft, damit diese falsche eidesstattliche Versicherung abgeben. Man könne ja mal über alles reden“, so Dogan in Richtung Buchmüller und führte das Thema Steuerhinterziehung, Ware waschen, gehackte Computer, Bedrohungen, Mordnummer und einiges mehr ins Feld.

Das alles klang jetzt nach sehr schmutziger Wäsche, die da gewaschen wird und es ist zu befürchten, dass die kommenden Prozesse sogar noch einiges mehr ans Tageslicht bringen werden. Und in diesem Tenor ging es auch weiter:

„Wenn ihr (LR) doch seriös seid, warum dann Treffen ohne Anwalt? Warum wurde meine Unkündbarkeit aus meinem Vertrag herausgenommen? Warum bei mir und nicht bei anderen? Ihr redet von Gleichberechtigung und Fairplay – wo ist das denn?“

Für Dogan ist die Strategie klar: zermürben, Fehler machen lassen und ihn zum „Bad Boy“ abstempeln, dann vielleicht irgendwann rausschmeißen oder er geht von selbst.

Die Richterin hörte aufmerksam zu und unterbrach ihn nicht. Erst als er am zuende geredet hatte, fragte sie ihn hinsichtlich einer gütlichen Einigung, was er sich von LR denn wünsche und ob eine Trennung für ihn in Betracht komme. Dogan antworte glasklar mit „Ja“. „Wenn ich eine vernünftige und respektvolle Abfindung bekomme, möchte ich mit diesem Unternehmen mein Zukunft nicht planen. Ich bin bereit für eine friedliche Trennung, aber nicht für Null Cent.“

„Und was will LR?“, fragte sie in Richtung Buchmüller.

„Wir bemühen uns nach Kräften“, sagte Buchmüller. „LR habe das allergrößte Interesse daran mit ihm weiterzuarbeiten. Nur ist nicht tolerierbar, dass er (Dogan) sich in die Öffentlichkeit begibt und LR auf das Übelste beschimpft. LR sei nicht bereit, dass weiter hinzunehmen. Mit wem LR sein 30-jähriges Firmenjubiläum feiere, dass ist eine persönliche Entscheidung der LR. Man feiere nicht mit jemandem, der als Führungskraft das eigene Unternehmen derartig madig macht.“

Man sehe ja auch, welche Vorwürfe jetzt auch wieder hier gemacht würden, erklärte Buchmüller weiter. „Fakten, das sind Fakten“, sagte Dogan.

Buchmüller aber holte weiter aus und erklärte, dass Fakt wäre, dass Dogan seit Anfang 2014 nichts mehr mache, er anscheinend psychisch krank wäre. Er habe sechs Klagen erhoben und er kriege trotzdem seinen Bonus, bis auf die hier streitige Summe und diese wäre sicherlich nicht ganz gering. „Das Unternehmen müssen Sie mir zeigen, dass das mit einem Vertriebspartner macht“, erklärte der LR-Anwalt weiter.

Dogan konterte und unterstellte Buchmüller, dass er zumindest etwas Ahnung vom Network Marketing habe und sagte, dass es heutzutage Möglichkeiten gäbe, Webinare zu machen. Aber wenn er keine aktuellen Informationen und vertriebsrelevanten Neuigkeiten vom Unternehmen bekomme, dann könne er auch keine wirklichen Seminare machen. Als 5 Sterne-Präsident müsse er das auch gar nicht, denn er müsse nur seine Grund-Ausbildung machen und das würde er auch tun.

Und hier stellt sich noch einmal mehr die Frage, warum Dogan vom Unternehmen keine vertriebsrelevanten Neuigkeiten bekommt? Will man Dogan also wirklich in absehbarer Zeit aus dem Geschäft hauen, oder in kalt stellen, ihn „finanziell ausbluten“ lassen? Normalerweise gehört die Weitergabe von vertriebsrelevanten Neuigkeiten und Informationen an Führungskräfte zur Grundpflicht eines jeden Network Marketing Unternehmens.

„Wie soll ich Seminare halten, wenn ich befürchten muss, das mir aus dem Publikum zugerufen wird, das gewisse Informationen schon länger nicht mehr aktuell sind; das würde meine Autorität unterwandern,“ erklärte Dogan weiter.

Buchmüller bezweifelte das Engagement von Dogan und ging abermals auf die Krankheit und die Atteste ein und verwies auf ein Schreiben der Kanzlei Schulenberg & Schenk, dass Dogan momentan nicht arbeitsfähig sei und derzeit ein Gutachten erstellt würde. Dieses würde aber nach einem Jahr immer noch nicht vorliegen.

Es ging also hin und her im Gerichtssaal. Und unweigerlich kam die Frage auf, warum Buchmüller immer wieder gezielt auf die Krankheit von Dogan eingeht? Vielleicht weil LR krampfhaft nach irgendwelchen Gründen sucht, die Million nicht an Dogan auszuzahlen? Wenn das schon mit der Wohlverhaltens-Nummer und der Abmahnung nicht klappt, dann mit verschiedenen Vertragspartnern, und wenn das auch nicht klappt, dann eben damit, dass er seinen Pflichten als Führungskraft nicht nachkommt? Fragen über Fragen.

Einer hatte dazu keine Lust mehr: „Ich habe hier keine Lust eine spontane Fragestunde zu veranstalten“, konterte der Dogan Anwalt Becker in Richtung Buchmüller. Diese Ansicht hatte übrigens auch die Richterin.

Buchmüller schien sich zu fangen und wies darauf hin, dass man sich im Urkundenprozess befinde und die Vertragsinhalte festlegen, wann man etwas auszuzahlen hätte. Und prompt kam er wieder auf die Nichtstuerei zurück. Da Dogan von dem Vertrag eben nichts erfüllt hätte, hätte er eben auch keinen Zahlungsanspruch. „Er habe eben nichts gemacht.“

Ein alter Fuchs eben, der LR-Anwalt. Aber auch hier kamen im Publikum wieder Fragen auf: Einerseits soll Dogan nichts gemacht haben, andererseits kann Dogan nichts machen, weil er krank ist bzw. keine aktuellen vertriebsrelevanten Informationen von LR bekommt, ebenso wären die LR Global Holding und LR Health & Beauty Systems nicht die richtigen Vertragspartner. Es blieb irgendwie ein LR-Verwirrspiel.

Weiß also LR überhaupt, was sie da machen? Oder ist das alles nur eine ausgebuffte Taktik, um Dogan hinhalten zu können? Um ihn zu „zermürben“, wie er behauptet.

Die Richterin war jedenfalls um eine Einigung bemüht und schlug sogar einen separaten Mediationsversuch vor dem Landgericht vor.

Dazu erklärte Buchmüller, dass LR sich nach Kräften bemühe und das schon seit Jahren. Aber das Theater mit Dogan gehe schon seit 2007. Die Akten würden mittlerweile Berge füllen. Bei den Forderungen von Dogan, könne man teilweise nur noch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Und dann beschrieb der LR-Anwalt den eigens unternommenen Mediationsversuch in Münster mit der Geschäftsleitung: „ Das erste wie Herr Dogan den Versuch gestartet hat, er kommt in den Raum rein und sagt:Euch gebe ich nicht die Hand“. Toller Mediationsversuch was will man da noch machen?“

Jetzt meldete sich auch noch LR-Justiziar Grootz zu Wort und zitierte die LR-Geschäftsleitung aus dem Gespräch: „Wenn Sie klagen wollen Herr Dogan, dann können wir Sie nicht daran hindern. Aber was nicht geht, ist die Öffentlichkeit einzuschalten.“ Das ist der Grund warum Sie nicht geladen wurden. Gemeint war damit wohl die LR-Jubiläumsfeier. Sie wollen die Wahrheit haben, dann sollen Sie auch die ganze erzählen“, führte Grootz weiter aus.

Wahrheit ist gut, aber was ist die Wahrheit? Und was heißt, nicht ein- oder ausgeladen, damit die Öffentlichkeit nicht informiert wird? Eine Aussage, die man sich auf der Zunge zergehen lassen darf. Hat die LR-Geschäftsleitung etwa Angst, dass vielleicht doch unangenehme Informationen ans Licht kommen könnten? Oder brisante Informationen, die die Gesellschafter Quadriga Capital und Bregal Capital oder LR-Partner aufschrecken könnten?

LR ist ja sonst keineswegs öffentlichkeitsscheu. Aber wohl eben nur ,wenn es um positive Themen geht, dann möchte LR natürlich glänzen. Dann wird von Millionenumsätzen, Wachstumsstrategien, Charity-Aktionen und Visionen berichtet. Das Gute, ja eben das Positive, dass soll, nein, das muss die Öffentlichkeit natürlich erfahren.

Aber bitte schön nicht, wenn es um Streitigkeiten mit einem Top-Berater geht? Leider kein Einzelfall, schon in der Vergangenheit hat LR immer wieder versucht, den Deckmantel über einige unangenehme Sachen zu hüllen. Siehe den Fall und die Trennung von Jürgen Liebig, die damalige Nr. 1. Seit dem Verkauf der damaligen LR-Gründer Spikker und Hickmann war LR wohl noch nie so häufig mit Gerichtsprozessen in der Presse vertreten, wie in den letzten 6 Jahren. Eine leider traurige Tatsache.



Die Mordnummer und ein tschetschenischer Killer

Und dann kam auch noch im wahrsten Sinne des Wortes eine Mordsnummer auf den Tisch. Die war eigentlich gar nicht Gegenstand des Verfahrens, ist aber umso erschreckender.

Hintergrund ist hier, dass in der Zeit als der Wettbewerbskrieg mit dem Konkurrenzunternehmen Network World Alliance (NWA) tobte, ein tschetschenischer Scharfschütze auf Ilhan Dogan angesetzt worden sein soll. Das zumindest ist die Version von Ilhan Dogan bzw. die Version, die man ihm zu diesem Zeitpunkt glaubhaft versicherte. LR hat aber eine andere.

„Herr Dogan fühlte sich von einem tschetschenischer Auftragskiller verfolgt“, zitierte Buchmüller. Und tat die Geschichte dann auch mehr oder weniger erstmal als Hirngespinst ab.

Anwalt Becker konterte: „Er (Dogan) fühlte sich nicht verfolgt. Sie (LR) sind auf ihn zugekommen und haben gesagt, es gibt einen tschetschenischen Killer und wir (LR) sind so nett und bezahlen auch noch den Personenschutz dafür.…..das heißt ja dann die Bedrohung ist wirklich ernst zu nehmen.“

Buchmüller wiegelte ab und betonte energisch, dass sei alles Dogans Version. Doch ganz so einfach scheint das alles nicht zu sein. Unter dem Projektnamen „Kaskade“ hat Dogan im Zeitraum 2009 bis 2010 wirklich bewaffneten Personenschutz im Auftrag der Esecon /SAEC erhalten. Engagiert und bezahlt, nach Informationen der Redaktion, entweder von LR und /oder Apax. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich Dogan überwiegend in seinem Haus auf Mallorca auf und wurde rund um die Uhr bewacht. Dann aber sind die Personenschützer irgendwann abgezogen worden. Für Dogan war der überraschende Abzug absolut nicht nachvollziehbar, denn er musste immer noch um sein Leben fürchten. Zumindest war er, oder vielleicht ließ man ihn sogar absichtlich, in diesem Glauben.

Welcher Mensch hätte also keine Todesangst, wenn jederzeit die Gefahr bestünde, von einem tschetschenischen Scharfschützen getötet zu werden? Selbst die damalige Haushälterin von Dogan hielt das alles nicht mehr aus und gab entnervt ihre Stelle auf. Daher dürfte es nicht verwunderlich sein, dass sich Dogan nach diesem Horrorszenario in psychiatrischer Behandlung begeben hat bzw. immer noch befindet.

Wer aber hatte Interesse daran, dass Dogan so übel mitgespielt wird? Darauf gibt es bisher keine eindeutige Antwort. LR bestreitet in dieser Sache energisch den Vorwurf, dass man Dogan durch ein aufgeblähtes Bedrohungsszenario von Seminaren und seiner Orga fernhalten wollte.

Aber da taucht dann eine weitere Frage auf: Warum aber bezahlt man und engagiert man Personenschützer überhaupt, wenn es alles nur Hirngespinste sein sollen?

Fragen über Fragen, die an diesem Tag nicht geklärt werden konnten. Eine Einigung gab es natürlich nicht – eine Entscheidung natürlich auch nicht. Die Vorsitzende Richterin prüft noch. LR hat sich schon einmal vorsichtshalber dazu entschlossen, falls eine Sicherheitsleistung bei Gericht hinterlegt werden müsse, diese durch Bankbürgschaft beizubringen.

Das Bild was LR momentan in den Gerichtsprozessen abgibt, sieht alles andere als gut aus. Klar ist allerdings eins: Der Hollywoodfilm geht weiter. Im Film gewinnen am Ende immer die Guten und die Wahrheit kommt ans Licht. Wie es zwischen Dogan und LR wirklich ausgeht, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Aber ein, beiderseitiger, respektvoller Umgang wäre wünschenswert. Nach 25 LR-Jahren hat es Dogan auf jeden Fall nicht verdient, als kranker Mann, der nur noch aus Goodwill seinen Bonus bekommt, hingestellt zu werden. Wer im wahrsten Sinne des Wortes seinen Kopf für das Unternehmen hingehalten hat, sollte im Sinne des Fairplays, des Ehrenkodex und der LR-Selbstverpflichtung anders behandelt werden.

Das allerdings mit Methoden, wie sie eigentlich nur aus James Bond Filmen bekannt sind, auch im Direktvertrieb gearbeitet wird, hätten auch wohl nur die wenigsten gedacht. Vielleicht, auch wenn es vorerst ausgeschlossen zu sein scheint, kommt es ja doch noch hinter verschlossenen Türen zu einer gütlichen Einigung und der Öffentlichkeit und der Direktvertriebsbranche bleiben weitere abschreckende Details erspart.

Bild 1:© fotolia.com und Bild © 3 pigmentum: fotolia.com

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