Dogan erzielt vor dem Landgericht Münster Teilvorbehaltsurteil gegen LR Health & Beauty Systems

Direct Selling   ●   Veröffentlicht von Netcoo Redaktion    ●   

Top Leader Ilhan Dogan hat ein weiteres Urteil gegen sein Partnerunternehmen LR Health & Beauty Systems erzielt: LR wird verurteilt 673.491,50 Euro zzgl. Zinsen an Dogan zu zahlen.

Das Landgericht Münster hat am 24.07. ein Teilvorbehaltsurteil* (Az.: 015 O 74/14) gegen das Ahlener Direktvertriebsunternehmen LR Health & Beauty Systems erlassen. Das Unternehmen wird demnach verurteilt an Ilhan Dogan 673.491,50 Euro zzgl. Zinsen zu zahlen. Dogan hatte vor dem Gericht wegen zu Unrecht einbehaltener Provisionen geklagt. Seine Klage richtete sich u.a. auch gegen die LR Global Holding GmbH. Allerdings lief die Klage gegen die LR Global ins Leere, das Landgericht hat diese Klage als unstatthaft abgewiesen.

Ursprünglich forderte Dogan sogar 1 Mio. Euro von LR zurück. Hintergrund der Klage ist, dass Dogan am 16./ 17.04.2013 eine Vereinbarung mit der LR Health & Beauty Systems GmbH und mit einer ehemaligen mittelbaren Gesellschafterin der LR, der Alov S.A.r.l mit Sitz in Luxemburg, geschlossen hat, nach der sich die LR/Alov verpflichtete an Dogan einen Betrag in Höhe von 1 Mio. Euro in Raten zu zahlen. Als Begründung erklärte Dogan, dass die 1 Mio. Euro als „Wiedergutmachung“ eines Schadens, der in seiner Organisation angerichtet worden sei, zu zahlen ist. Dogan verzichtete hingegen auf Schadensersatzansprüche und erklärte sich zu einem zukünftigen „Wohlverhalten“ gegenüber LR / Alov. LR / Alov zahlte auch an Dogan.

Angeblich soll Dogan aber gegen die Wohlverhaltensklausel verstoßen haben. LR hielt darauf hin über mehrere Monate seine Provisionen und sogar seinen Jahresbonusscheck ein und zwar solange bis das Geld wieder „drin“ war. Für den Top-Leader waren es von vornherein nur fadenscheinige Begründungen. Dem folgte nun auch das Gericht. In der Urteilsbegründung heißt es wörtlich: „Die Beklagte (LR Health & Beauty Systems) hat nicht mit einem zulässigen Beweismittel gem. § 598 ZPO den Beweis angetreten, dass sie von der Klägerin bestritten – Inhaberin des Rückforderungsanspruch ist.“

Für Dogan ist das Tischtuch mit LR sowieso zerschnitten. Schon im Prozess am 12.05. (wir berichteten) sagte er wörtlich: „Wenn ich eine vernünftige und respektvolle Abfindung bekomme, möchte ich mit diesem Unternehmen meine Zukunft nicht planen.“

Ein Satz, den man sich auf der Zunge zergehen lassen darf. Dies sagt einer der führenden LR-Berater, einer dem das Unternehmen Multi-Millionen Umsätze zu verdanken hat und der immer an vorderster Front stand, einer der wie kaum ein anderer den LR-Traum verkörperte. Und in der Tat hat man den Eindruck, dass man bei LR mit System vorgeht. Dogan spricht selber immer wieder davon, dass man ihn finanziell ausbluten lassen, ihn mundtot und schlussendlich loswerden will. LR bestreitet dies.

Allerdings zeigte schon der Prozess im Mai, dass LR mit mehreren Strategien versucht, Dogan kein Geld zahlen zu müssen: Einerseits ritt man auf der Wohlverhaltensklausel rum, dann auf eine Erkrankung von Dogan, man versuchte ihn als Nichtstuer darzustellen, der trotzdem noch Geld bekommt (außer die einbehaltenen Provisionen). Andererseits erhält er keine vertriebsrelevanten Informationen, und / oder es wurden Datensperren verhängt, er wurde zu Veranstaltungen und Top-10 Meetings aus- bzw. nicht eingeladen, seine Verträge wurden abgeändert, die Unkündbarkeit gestrichen und als Sahnehäubchen können die Verträge sogar jederzeit auf andere LR-Gesellschaften übertragen werden.

Das alles erweckt tatsächlich den Eindruck einer gewissen Systematik. Auf jeden Fall wirft es kein gutes Licht auf LR. Im Gegenteil, immer mehr Stimmen von Beratern oder Ex-Beratern werden laut, die sich über dubiose Methoden von LR beklagen. In Griechenland zum Beispiel gibt es einen ähnlichen gelagerten Fall wie bei Dogan. In Frankreich hat eine Führungskraft von sich aus entnervt das Handtuch geschmissen. Darüber hinaus kann man in den Sozialen Medien einschlägige Kommentare zu LR lesen.

Die Richterin kippte auf jeden Fall im gleichen Verfahren schon einmal die umstrittene Übertragungsklausel in den Orgaleiter-Verträgen (siehe Bericht hier). Ein Urteil, auch wenn es noch nicht rechtskräftig ist, das so manchen Orgaleiter aufatmen lassen sollte.

Man darf gespannt sein, welchen Schritt LR als Nächstes unternehmen wird. Verträge wieder abändern oder vor das Oberlandesgericht ziehen? Eine mögliche Klagewelle, die auf LR zurollen könnte, scheint nicht ausgeschlossen. Ilhan Dogan hingegen kündigte ein Exklusiv-Interview an. Auch das dürfte viel Zündstoff versprechen.
* Als Vorbehaltsurteil bezeichnet die Zivilprozessordnung ein Urteil, welches unter dem Vorbehalt des Weiteren Prozessverlaufes steht.

Vorbehaltsurteile können im deutschen Zivilprozess in zwei Situationen ergehen:

im Urkundenprozess, wenn der Klage aufgrund der vorgelegten Urkunden stattzugeben ist (§ 599 ZPO). In diesem Fall kann der Beklagte im Nachverfahren seine Rechte geltend machen und weitere Beweiserhebung erwirken.
(in der Praxis selten) bei einer Aufrechnung, wenn die Klageforderung jedenfalls ohne die Aufrechnung bestünde und über die zur Aufrechnung gestellte Forderung erst nach weiterer Beweiserhebung entschieden werden kann (§ 302 ZPO).

In beiden Fällen kann der Kläger aus dem Vorbehaltsurteil bereits vollstrecken. (Wikipedia.de)

Foto: © unknown – fotolia.com

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