Muss LR Millionen zahlen?

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Die Aktie Liebig

Die Justitiare und Anwälte der LR Health & Beauty Systems sind wohl auf dem besten Weg langsam den Überblick zu verlieren, so überladen dürften ihre Schreibtische sein. Die Klagebegehren gegen Deutschlands größtes Network Marketing Unternehmen häufen sich, mit zum Teil schwindelerregenden Gegenstandswerten. Gleich acht Klagen auf einmal hat Jürgen Liebig (230.000 Partner in der Struktur, 2/3 des LR-Umsatzes laufen über seine Orga, darunter u.a. die Umsätze der Orgas Kunath, Fasini, Dogan) gegen LR beim Landgericht Münster einreichen lassen. Und da ging es am vergangenen Mittwoch in die erste Runde mit den so genannten Güteverhandlungen. Gleich vorweg: In zwei Fällen wurde gegen LR bereits ein Urteil erlassen. Rund 300.000 Euro sind mit sofortiger Fälligkeit an Liebig zu zahlen. Insgesamt ging es zunächst um ca. 4.6 Mio. Euro. Hier ein Feature der Prozessereignisse.

Wenn man in diesem Kontext nun die Formulierung „peinlich“ bemühen würden für das, was sich LR nur in diesen beiden Fällen geleistet hat, fühlen sich die treuen unter den LR-Fans genötigt zu sagen, die Presse liefere falsche Wertungen ab. Aber wie anders als peinlich für LR sollte man es finden, dass diese beiden Siege für Liebig durch ein Versäumnisurteil zustande kamen? LR hatte wohl vergessen, oder war scheinbar nicht fähig, richterliche Fristen einzuhalten!

Die fristlose Kündigung

In den anderen sechs Klagen wurde ein weiterer Verhandlungstag anberaumt: angesetzt ist unter Vorbehalt der 20. Mai. Da geht es dann ins Detail und Sachverhalte wie Schiebebonus, diverse Fälle von Umstrukturierungen und Scheinberaterschaften – alles offenbar wohl zum Nachteil des ehemaligen umsatzstärksten Orgaleiters Jürgen Liebig.

Und natürlich um die fristlose Kündigung, die LR gegen Liebig letzten November ausgesprochen hat. Auffällig: Ganz kurz vor dem Gütetermin, sozusagen in letzter Sekunde, hat LR übrigens einen weiteren Schriftsatz mit über 300 Seiten dem Gericht vorgelegt und Liebig parallel eine zweite fristlose Kündigung zustellen lassen.

Diese neue Kündigung hat LR nach eigenen Angaben nachgereicht, weil sich neue Erkenntnisse über ihre Ex-Nr. 1 ergeben hätten. Gründe, die LR also erst nachdem die erste Kündigung bereits ausgesprochen wurde, „zur Kenntnis gelangten“, wie das im Juristendeutsch heißt. Derweil hatte der Richter im Termin am Landgericht Münster bereits klargemacht, was auch LR schon längst klar gewesen sein muss: Die erste fristlose Kündigung war völlig haltlos.

Mit denselben Maßstäben

Die neuen Kündigungsgründe lassen indes aufhorchen, neben angeblichen Datenklau der Liebig vorgeworfen wird, spielt auch Bonusmanipulation eine entscheidende Rolle. Es handelt sich hier konkret um den Vorwurf, durch den Einkauf von Produkten auf Vorrat/Lager, Bonusstufen gesichert zu haben. Diese Produkte waren also noch nicht an Endkunden verkauft, sondern dienten nur der Sicherung der Bonusstufe durch Erreichen der nötigen Punktwerte.

Solche Praktiken sind laut den LR-Geschäftsbedingungen verboten. Laut der Ethikrichtlinien von LR-Geschäftsführer Dr. Jens Abend (Schreiben der LR von Mitte Januar 09) zieht jeder nachweisliche vorsätzliche Verstoß eine Kündigung nach sich. Hier ein Auszug:

……..Gleichzeitig können unsere Partner darauf vertrauen, dass jedes Fehlverhalten eines Partners, das dem Unternehmen oder anderen Partnern schadet, von LR mit allem Nachdruck geahndet wird. LR steht zunächst aufklärend zur Seite, wird jedoch gegen jeden wiederholten und vorsätzlichen Verstoß mit aller Deutlichkeit – ungeachtet von erreichter Karrierestufe oder Position – vorgehen.“ Zitat Ende.

CEO Abend hatte in einem exklusiven Netcoo-Interview versichert, (dieses Interview wurde am 09.02.2009 wieder zurückgezogen) alle Berater würden mit denselben Maßstäben gemessen und alle würden gleich behandelt.
Das ist ein klarer Kurs und nur zu verständlich. Was wäre schließlich, wenn sich bei LR jeder selbst seine AGB zurechtbastelt? Gilt dieses Kündigungsversprechen aber wirklich für alle und jeden bei LR? Auch zum Beispiel für den LR-Global Sales Director Thomas Heursen?

Kündigt LR jetzt Thomas Heursen?

Tatsache ist: In der ganz frisch ergangenen zweiten fristlosen Kündigung wirft LR Jürgen Liebig vor, Waren bestellt zu haben um damit bestimmte Beraterumsätze in seiner Downline zu erhöhen und damit eigene Bonusansprüche abzusichern. LR sagt, Liebig habe dadurch anderen Partnern und Führungskräften ausschließlich zum eigenen Vorteil wiederholt und vorsätzlich geschadet. Heimlich habe er quasi in die eigene Tasche gewirtschaftet, und sich Provisionen erschlichen.

Das sind böse Vorwürfe. Eine fristlose Kündigung wäre in einem solchen Fall fürwahr gerechtfertigt. Wenn, ja wenn es eben nicht so ganz anders wäre, als LR vor Gericht vorträgt. Offenbar wohl sogar wider besseres Wissen. Tatsächlich hat Liebig mehrfach Bestellungen zur Bonusstabilisation getätigt. Aber wohl nicht etwa hinter dem Rücken von LR, sondern mit dem Einverständnis von Vertriebschef Heursen. Dies beweisen der Netcoo-Redaktion vorliegende Schreiben eindeutig. Liebig besprach die Bestellungen mit Heursen. Und fügte hinzu: „Thomas, kümmre dich bitte drum“.

Thomas hat sich wirklich gekümmert.

Er leitete die Bestellungen an die zuständigen Abteilungen im Hause LR weiter. Und löste so den Bestellabwicklungsvorgang aus. Die Abteilungen folgten den Dienstanweisungen ihres Chefs. Die Produkte wurden ausgeliefert. Jürgen Liebig bekam die LR-Rechnung und bezahlte sie. Jürgen Liebig sagt, er könne diesen Sachverhalt zweifelsfrei beweisen. Wieso behauptet LR daher, Liebig habe ohne Wissen von LR agiert?

Doch scheinbar wird bei LR mit zweierlei Maß gemessen. So gelten beispielsweise auch für Ilhan Dogan, erster Seniorpräsident des Unternehmens, ganz andere Regeln als für andere Berater wie Jürgen Liebig. Dogan brauchte sich nicht – auch dies kam in der Verhandlung am Mittwoch in Münster raus – an die in den LR-AGB manifestierte 100-PW-Regel zu halten.

Nur wer die einhält, hat überhaupt Anspruch auf Gruppenbonus. Dogan „war im Ausland“, sagte Heursen in der Gerichtsverhandlung. Und habe nichts bestellen können. Da hat LR Dogan den Bonus halt trotzdem ausgezahlt. Immerhin schlappe 2,6 Mio. Euro über einen Zeitraum von 26 Monaten in denen laut Liebig die 100- PW-Regelung von Dogan nicht eingehalten wurde. Laut LR-Geschäftsbedingungen hätte dieser so genannte Schiebebonus Jürgen Liebig zugestanden, so die Argumentation des Liebig-Anwaltes Dr. Buchmüller.

Weil es ja so in den AGB steht…

Wie viel Schiebebonus beispielsweise Ilhan Dogan über all die Jahre aus seinen eigenen Downlines geschöpft hat, von Beratern, die vergessen hatten, die 100-PW-Regel zu erfüllen, ist indes nicht bekannt. Es dürften Dutzende Fälle sein, in denen LR die Regel bemühte, und kleineren Beratern den Bonus zugunsten von Dogan abgeschnitten haben dürfte. Weil es ja so in den AGB steht…

Ob Liebig die 2,6 Millionen bekommt, muss nun also das Gericht entscheiden. Man darf also auch hier gespannt sein. Was aber bedeutet all das eigentlich in der Konsequenz? Es bedeutet: Wer den Bonus durch Einkäufe manipuliert, wird fristlos gekündigt. So wie Jürgen Liebig. Denn laut Abend werden alle Berater gleich behandelt.

Wer fliegt als nächstes?

So manch einer der LR- Top-Führungskräfte dürfte nun wahrscheinlich ins Schwitzen kommen. Vielleicht steht da die eine oder andere Zukunft noch auf dem Spiel. Soll es doch seit vielen Jahren ein „übliches“ Prozedere sein, den eigenen Bonus durch Einkäufe zu stützen. Zumindest Ilhan Dogan scheint massive Stützungskäufe getätigt zu haben, wie der Redaktion vorliegende Schreiben offenbaren. Hier ein Auszug aus einer E-Mail des Beraters Matthias H*. vom 11. Januar 2009 (siehe ausführlichen Bericht im Netcoo Magazin 02-09. Bitte hier klicken):

Darin schreibt H*., wörtliches Zitat: „Ich war schon etwas verwundert, als Du mich wegen des Geldes angerufen hast. (Bestellungen zum Erhalt meiner 21% Stufe). Ich habe mir die Frage gestellt, ging es wirklich um meine 21%, oder doch um die 21%, die Du auch benötigst.“ Und weiter: „Mir geht es nicht um die 1.200,- Euro, die ich Dir nun zahlen soll, obwohl es viel Geld ist, aber ich komme logisch denkend nicht damit klar. Ich weis natürlich, daß Du viel Bestellt hast, aber ehrlich, doch nicht wegen mir, oder?!“……….

…….„Sollte ich ernsthaft die Linie, die Du unter mir mit deiner Freundin aufgebaut hast, behalten dürfen, so ist das ja von Dir auch ok.“ E-Mail Zitat Ende.

Hier ein weiteres Schreiben von Berater P.*, das der Netcoo Redaktion vorliegt:

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Die Zuschauer und der Wachdienst

Der weitere Prozessverlauf Liebig gegen LR war der Verhandlung Yandimoglu gegen LR nicht unähnlich. Mal davon abgesehen, dass es LR wohl ganz recht gewesen wäre, dass die interessierte Öffentlichkeit keinen Platz im Zuschauerraum findet. Man konnte sich nicht den Eindruck erwehren, dass LR-Angestellte versuchten den Verhandlungsraum zu kapern. Darunter namentlich bekannte Pförtner, Lagermitarbeiter oder auch Betriebsräte, die sich im Tumult um die Plätze vor und im Saal gleich so aufführten, dass der Richter noch vor Beginn der Verhandlung drohte, die Zuschauer per Wachdienst zu bändigen. Und der Presse extra Plätze zuwies.

Die Anwälte von LR, diesmal flankiert von der Geschäftsführung mit Abend und Heursen, machten weiter eine eher unglückliche Figur. Während LR-Justitiarin Hampe ihre Lektion offenbar schon gelernt hatte, war LR-Anwalt Prof. Dr. Linderhaus hingegen wieder so richtig in seinem Element und fuhr sich dafür reihenweise Rüffel des Gerichts ein: „In welcher Scheinwelt leben Sie?“„So lebensfremd sind wir auch nicht, für wie dumm wollen Sie diese Kammer verkaufen?“ – das sind nur zwei Bemerkungen des Richters.

Anmerkung der Redaktion: „Netcoo verzichtet bewusst auf weitere Einzelheiten, um die Gefühle eines Teils unserer Leserschaft nicht zu verletzen.“

„Systematisch und mit krimineller Energie“

Eines steht für uns allerdings fest: Dass die Ethik und Moral von Dr. Abend eher wohl eine Doppelmoral ist, zeigte sich in der vergangenen Woche so deutlich wie selten. Einerseits posaunt LR unablässig per Vip-News und anderen Schreiben an die treuen Berater raus, wie erfolgreich LR/Apax aktuell, und sowieso in 2008 gewesen sei, dem „besten Jahr der Unternehmensgeschichte“, lässt Dr. Abend andererseits am vergangenen Mittwoch vor Gericht vortragen lassen, wie groß doch der Schaden sei, der LR durch Liebig entstanden sei.

Anderes Beispiel: LR, so Abend vor Gericht, „sei grundsätzlich an einer gütlichen Einigung mit Jürgen Liebig interessiert.“. Oder er, Dr. Abend wolle „die Ethik und Moral der Company hochhalten.“ Wie weit es damit her ist, und wie wenig man dem wohl trauen kann, was Abend einem deutschen Gericht ins Protokoll diktiert, zeigt sein Verhalten kaum 24 Stunden später. Da versendet LR ein Schreiben mit der Überschrift „Klartext zu Jürgen Liebig“ an alle wichtigen Berater. Mit Inhalten wie diesem:

…..heute können wir Ihnen endlich erläutern, warum wir uns von Herrn Jürgen Liebig trennen mussten. Aus prozesstaktischen Gründen war das vorher leider nicht möglich. Wir hoffen, Sie haben hierfür Verständnis.

„………..Hier zeigt sich sein rücksichtsloses und kriminelles Verhalten deutlich.“

„Für uns ist Herr Liebig, der systematisch und mit krimineller Energie das Vertrauen von LR bzw. seinen Partnern enttäuscht sowie seine Rolle als Führungskraft und als Vorbild missbraucht hat, als Partner nicht weitertragbar.“ LR-Zitat Ende.

Unterschrieben von Dr. Jens Abend und Thomas Heursen.

Auch in Skandinavien geht es LR an den Kragen

Auch ganz anderswo, nämlich in Norwegen hat LR so seine liebe Mühe mit Beratern, die gegen Willkür auf begehren. Hier heißt die LR-Kontrahentin Irene Furre, die bereits in zweiter Instanz um Provisionen streitet die ihr entgingen, weil LR ihr mehrere 21-%ter wegstrukturierte. Und ihr wegen ungebührlicher Widerborstigkeit dann noch eine Kündigung ausstellte. Klar ist aktuell, dass LR diese Umstrukturierungen wohl zurücknehmen muss. Das Gericht in Oslo wird LR zur Zahlung verdonnern, soviel ist auch in Norwegen ganz sicher.

Anmerkung der Redaktion:

In diesen Tagen wird der Fachpresse, und somit auch Netcoo, vorgehalten, über LR nicht neutral zu berichten. Wir nehmen diese Vorwürfe durchaus ernst und prüfen uns immer wieder daraufhin, ob wir neutral und wahrheitsgemäß berichten. Auch wenn es bei einem einseitig durch LR verkündeten Presseboykott nicht ganz einfach ist, alle Seiten zur Gänze zu beleuchten.

Das Problem an der Sache ist: Objektiv betrachtet sieht LR bei den Geschehnissen der letzten Wochen, beginnend mit der Hausdurchsuchung in der LR-Zentrale, einfach schlecht aus. Die Ursachen dafür liegen bei LR, nicht etwa bei uns, der Presse. Wir werden weiterhin offen, beharrlich und ehrlich über die Vorkommnisse bei der „Perle im Portfolio“ von Apax berichten. Denn die Schieflage des Flaggschiffes des deutschen Network Marketings betrifft und interessiert schließlich alle unsere Leser.

Mehrfach hat das Netcoo Magazin LR gebeten zu einzelnen Sachverhalten Stellung zu nehmen, quittiert wurde dies am 09.02.2009 mit einem Schreiben an die Redaktion, man solle von weiteren Anfragen und Berichterstattungen des Unternehmens absehen. Wenn Dr. Abend nun sogar als Vorstandsvorsitzender des Unternehmensverband Direktvertrieb e.V., in diesem Verband Netcoo ja ebenfalls Mitglied ist, der Meinung ist, die Berichterstattungen und derartige Veröffentlichungen würden der Branche und damit dem Verband schaden, dann verwundert es nur umso mehr, warum Dr. Abend im Vorfeld den Kontakt einseitig mit der Fachpresse und mit seinem Mitgliedsunternehmen Netcoo abgebrochen hat.

Es ist sicherlich nicht die Berichterstattung der Fachpresse, die sich nachweislich an Fakten und Beweise orientiert, die zu einer angeblichen Schädigung der Branche führt, sondern wohl eher das Verhalten und Vorgehen der Unternehmensverantwortlichen.

* Namen sind der Redaktion bekannt.

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