LR Health & Beauty Systems: Der Letzte macht das Licht aus?

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LR Headquarter in Ahlen

Der Letzte macht das Licht aus. Ein in der damaligen DDR weit bekannter Spruch. Im Westen, im westfälischen Ahlen, bei dem Direktvertriebsunternehmen LR Health & Beauty Systems, scheint er neuerdings täglich Brot. Hatten im letzten Jahr bereits so wichtige Mitarbeiter wie der für den Bonuslauf zuständige Dieter Bartsch die Segel gestrichen, brandet jetzt eine neue Welle der Abgänge, Beurlaubungen, Freistellungen und Kündigungen auf. Ausgerechnet jetzt. Wo es zuletzt recht friedlich in den Strukturen zuging – was zweifelsfrei auf das Konto einer Truppe von Compliance-Spezialisten geht, die der Inhaber von LR, Apax Partners-Boss Dr. Martin Halusa, nach Ahlen geschickt hatte.

Wie man hört, soll es sich dabei um eine Gruppe von Unternehmensberatern handeln, versierte Wirtschaftsstrategen und Sicherheitsexperten, spezialisiert auf Troubleshooting bei DAX-Unternehmen. Tänzer auf dünnem Eis, verhandlungsversierter als türkische Teppichhändler und ausgestattet mit Big-Size Montblanc-Füllern für schwungvolle Unterschriften auf hochdotierten Vergleichsschecks. Zum Einsatz gekommen in den Fällen Liebig, Yandimoglu und auch anderen. Meistens da also, wo ein Dr. Jens Abend und Thomas Heursen vorher mit aufgeblasenen Backen Einigungen ausgeschlossen hatten.

Adé du schöne Mitarbeiterintegrität?

Demzufolge ging es im LR-Vertrieb rund um Weihnachten 2009 überraschend friedlich zu. Jetzt aber wohl kippt die Betriebsruhe. Anscheinend flatterten im Wochentakt dem LR-Personalchef Kündigungen von Mitarbeitern auf den Tisch, die bis zu zehn Jahre und länger für LR tätig waren – fast durch die Bank altgediente Profis im Networkgeschäft. Weiterhin schafft es LR wohl nicht, diese Fakten in den eigenen Reihen zu halten. So soll der IT-Mann Paetow gekündigt haben, der IT-Sicherheitschef Rosner ist bereits weg, ebenso wie Kollege Reck. Art-Director Oljnik geht, Countrymanager Verbeck auch, genauso wie der Leiter des LR-Autokonzepts Voigt. Die Sales Managerin Niesmann kündigte und wurde daraufhin freigestellt, auch der Länderbetreuer Golz (zuständig für Polen und Türkei) ist auf und davon. Head of legal Diana Hampe ist schwangerschaftsbedingt zunächst auch weg. Und, man hört und staunt, sogar Elke Heinen-Groß, das „Rechengenie“ der Bonusabteilung, soll bald Abschied feiern. Das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel ist in vollem Gange. Mitarbeiterintegrität bei LR – diese Zeiten sind wohl endgültig vorbei.


Eva Kienle ist vom Stuhl gerutscht

Aber nicht nur die mittleren Managerränge sind schlagseitig. Auch Eva Kienle, die Kaufmännische Geschäftsführerin von LR Health & Beauty Systems, ist vom Chefsessel gerutscht. Wie man hört, soll ihr Vertrag nicht verlängert worden sein. Noch im vergangenen September hatte Kienle vor Warendorfer Schülern darüber philosophierte, das „je mehr an meinem Stuhl sägen“, umso besser. Es sei gut, „wenn es viele gibt, die Chef sein wollen. Und wenn es einer schafft, gibt es sicher auch einen guten Grund.“ Einen guten Grund muss es wirklich gegeben haben, dass das Kapitel Kienle beendet ist. Die Betriebswirtin hatte ihr persönliches berufliches Schicksal mit der Einführung einer neuen EDV, die den betriebswirtschaftlichen Ablauf von LR optimieren und Sicherheitsrisiken minimieren sollte, verknüpft. Der Start dieser EDV war von Kienle einmal für das Jahr 2008 zugesagt worden. Ende 2009 lief sie augenscheinlich immer noch nicht. Auf Kienles Stuhl sitzt jetzt ein anderer: Andreas G. Rutsch heißt der Network-No-Name, gleichwohl bekanntes Gesicht aus der Textilwirtschaft mit Stopovers bei der Dresdner Kleinwort, Merrill Lynch International und – wie passend für die Pläne von Apax, LR bald zu verscherbeln – engen Kontakten zum Verlag Handelsblatt.

Für Dr. Jens Abend ist New Orleans gleich über die Straße

Justamente genau jetzt, am kommenden Montag, für viele der LR-Chefs der erste Arbeitstag nach dem Weihnachtsurlaub in Kitzbühel oder Gstaad, lädt der ehemalige LR-Inhaber Helmut Spikker, der mit seinem Stab seit Monaten sein Comeback vorbereitet (für das „LR kein Maßstab sein wird“ – weil zu klein), zu einer Pressekonferenz ein. Insider urteilen, was hier verkündet werde, könne sich für LR zu einem Wirbelsturm der Kategorie Catherina entwickeln. Nur, dass für Dr. Jens Abend New Orleans quasi gleich über die Straße ist: Im neuen Gewerbegebiet an der Werse, wo Spikkers Logistikzentrum (Invest von 25 Mio. €) Formen annimmt.

Es könnte also vielleicht nicht schaden, wenn sich Dr. Abend einen Friesennerz und Gummistiefel zulegt und sich um einen schnellen Ersatz für seine leitenden Angestellten kümmert, damit zum Start ins Jahr 2011 die Überschrift nicht so lauten muss: Das Licht ist aus!

Anmerkung: Die Netcoo-Redaktion hat LR Health & Beauty Systems im Rahmen der Recherche zu diesem Bericht um eine Stellungnahme gebeten. Eine Stellungnahme von Dr. Abend oder der Presseabteilung ist uns bis zur Veröffentlichung nicht zugegangen.

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