Kommentar: LR- Nigel Mould, ein Abgesang!

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Abgesang!

LR: Nigel Mould, ein Abgesang – von Netcoo-Autorin Christiane Neuendorff!:

Das LR-Jahr des Vertriebes. Ein toller Slogan. Prima Klima, bei den Ahlenern. Diese Darstellung präferierte bis zuletzt der Chef, Nigel Mould. Der ist nun Geschichte. Netcoo schaut hinter die Kulissen… Innovationen en masse. Tolle vertriebliche Ideen. A-Prominente allüberall. Hätte doch alles klappen müssen. Nicht wahr, Herr Mould?

Leider war an den LR-Berater-Horizonten wohl weniger eitel Sonnenschein als an der LR-PR-Front. Es scheint, dass Mould ein gewisses Akzeptanzproblem bei seinen Vertrieblern hatte. Der Engländer fahre „eine Solotour“ hieß es schon Wochen nach dessen Amtsantritt. Aber waren diese zuletzt sehr laut erhobenen Vorwürfe tatsächlich nur „unglückliche Entscheidungen“, wie man sie ja auch einem US-Präsidenten in den ersten hundert Tagen seines Amtes zugestanden hätte? Oder erschöpfte sich der Unmut zum Beispiel in der Einführung der Monatskataloge in 2006? Oder in jenen unzähligen, aufregenden Produktlancierungen, bis der ein oder andere Berater vor lauter Neuerungen das Geschäft nicht mehr aufsagen konnte?

Schauen wir zurück. Zu Moulds erstem großen Auftritt vor Beratern. In Bielefeld. Da ließ er sich vom Huey Lewis Song „I want a new drug“ auf die Bühne tragen, um dann bei späteren Veranstaltungen gar auf „Gloria“ von Laura Branigan umzusteigen. Er versprach „seinen Beratern“ für die nächsten zwei Jahre Umsatzzuwächse von 30 Prozent. Der Jubel war groß. Damals. Und wie stand es nach zweieinhalb Jahren Mould-Führung mit Glanz und Gloria, sagen wir zum Beispiel Ende März?

Bei Meetings überließ Mould zu diesem Zeitpunkt gerne seinem Vertriebsmann Dr. Jens Abend und dem eigentlichen Frontarbeiter und langjährigen LR-Mann Thomas Heursen das Mikro. Er selbst wurde kaum gesehen. Vielleicht war das so, weil Nigel Mould Promis wie Kylie Minogue und George Clooney als Lizenzpartner angekündigt hatte, und die dann doch zuhause blieben? Was wohl daran lag, dass die ja längst bei anderen Handelsunternehmen unterschrieben hatten – oder todkrank waren?

Fakt ist, Mould hörte den bewährten Spikkerleuten nach seinem Amtsantritt kaum noch zu. Dafür lieber neuen Spitzenverdienern, die er in ganz Europa aufgabelte. Nicht ganz kosmopolitisch in Sachen Ökonomie, dafür aber auch neu, war der Marketingmann Thomas Günter Baur. Der wollte Clooney nach einem Ausflug nach New York aufs LR-Deck geholt haben. Und der Engländer gab diese Informationen mit stolzgeschwellter Brust an die Berater weiter – wohl ohne dafür wenigstens einen Letter of Intend in der Hand zu halten. Baur ging in der Konsequenz. Mould erstmal nicht.

Denn: Mould war ja der CEO. Und die kleben schon mal am Chefsessel. Und geben den Kurs in einem Unternehmen vor. Dabei sollen Führungskräfte seines Kalibers sich ja manchmal schwer tun, wenn Kritik laut wird. Wer könnte ihnen das verdenken? So sind in den letzten zwei Jahren neben zwei Köpfen der eigentlich recht erfolgreichen Geschäftsleitung (nämlich Friedrich Gerdtoberens und Rainer Zumholte), auch weitere prägende Köpfe des Unternehmens gegen „neues Know-how“ ausgewechselt worden. Dass damit über viele Jahre längst bewährte Human Ressources aus dem Unternehmen herausgebrochen wurden, dürfte so manchen Berater zumindest verwirrt haben.

Nun gut, Versuch macht bekanntlich klug. Dass die LR-Marketingleitung in 24 Monaten aber gleich fünf Mal wechselte, zeuget nicht gerade von einer ruhigen Hand bei Personalentscheidungen. Es zeigt, dass wer Suchet, nicht zwingend auch Finden muss. Den oder die Richtige(n) nämlich. Leider waren die produzierten Abgänge aus dem Unternehmen etwas unrühmlich. Vielleicht auch teuer? Krasses Beispiel, Rolf Teckhaus. Der wurde von Mould fristlos entlassen. Mit offensichtlich fadenscheinigen Begründungen, die der Richter nicht nachvollziehbar einschätzte.

Da Mould es anscheinend nicht so wichtig fand, selbst vor Gericht zu erscheinen, gab es „Haue“ für ihn. Irgendwie hatte er es nämlich versäumt, einen ausreichend sachverhaltskundigen Vertreter zu schicken. Dafür verdonnerte der Richter ihn zu einer persönlichen Ordnungsstrafe. Plus eine Gehaltsnachzahlung an Teckhaus. Mit anderen Worten, LR musste einem Mann, der dringend im LR-Lizenzgeschäft gebraucht wurde, fast zwei Jahre fürs Nichtstun ein üppiges Salär zahlen.

Geld, ja das war Moulds Thema. Wobei es hauptsächlich das Geld anderer Leute war, mit dem er umging. In jedem Fall war sein Verhältnis zu Aktiva grundlegend anders als das Spikkers. Reden wir da mal über das neue LR-Logo. Wie man hört, muss dieses serifenlose Wunderdesign, bestehend aus zwei Buchstaben, ein hübsches Sümmchen gekostet haben. Da sollte man meinen, dass die CI-Umstellung ein voller Erfolg war. Zumal Mould ja extra einen Brandbeauftragten aus Schweden hatte einfliegen lassen, der das rechte Licht auf die neue Öffentlichkeitsstrategie des Unternehmens zu lenken hatte. Nachdenklich stimmt leider, dass man früher wirklich jeden LR-Berater mit LR-International-Logo schon auf 1.000 Meter Entfernung auf der Autobahn erkannte. Heute muss man dazu schon eine Designerbrille mit Dioptrienstärke minus Sieben auf die Nase setzen. Und den Riechkolben feste an die Frontscheibe drücken, um das schicke grünliche Etwas irgendwo auszumachen. Was sich schlecht macht, beim Autofahren.

Was man Mould zweifelsohne zu Gute halten muss: er hat mindestens 50 neue Arbeitsplätze im Stammhaus geschaffen. Sozial engagiert wie er ist. Ja, er meinte es gut, mit den Westfalen. Ebenso segensreich hat sich sein markanter Führungsstil ja auch bei der Behandlung des örtlichen Fußballclubs ausgewirkt. Zwölf Monate lang butterte Mould Gelder in die Kickerbude an der Werse, nachdem er in den LR-Chefsessel geklettert war. Leider tribbelten die – bereits nach Einführung des neuen LR-Logos – weiterhin monatelang mit der alten LR-International Brustwerbung durch die Premiere-Topspiel-Übertragungen. Und das jedes Mal ereignisreiche 90 Minuten. Hat da doch glatt einer vergessen, den Fussball-Jungs neue Trikots anzuziehen? Ganz ähnlich verhielt es sich bei den Spielern des in der zweiten Liga spielenden Handball Clubs von Ahlen. Auch die liefen in den alten Trikots auf. Noch länger sogar, als die Kollegen von der Fußballfraktion. Nach dem bewussten Jahr – der Mould-Gnadenfrist für die ehemals glorreichen Fußballer – mussten sich die Kicker leider von den solventen Zeiten mit LR verabschieden. Vom Sponsoring. Und vom Namen. Mould hatte fortan anderes im Visier. Wer träumt schon gerne regionale Fußballervisionen, wenn man global andauernd Elfmeter im Tor versenken will?

Beim Thema Versenken fällt dann aber doch der Blick eher auf die Millionen der Investoren. Man gerät unweigerlich ins Grübeln, wenn man sich vor Augen hält, was kein Geheimnis ist: Dass Mould offenbar die Produktentwicklung rund um mindestens drei der Star-box-Top-Lizenzen aus dem Ruder gelaufen ist. Teckhaus saß zu diesem Zeitpunkt ja bereits am heimischen Herd. So war die Produktlinie von Anastacia erst neun Monate nach dem – übrigens einmal mehr vor Beratern – angekündigten Datum – marktreif. Weil man aber den auf zwei Jahre geschlossenen Vertrag zu erfüllen hatte, flossen die Lizenzgebühren dennoch an die US-Amerikanerin. Aber halt mal. Hieß der Spruch nicht „pecunia non olet?“ Sei’s drum.

Schön wäre allenthalben gewesen, wenn diese Anastacia-Lizenz wenigstens eine LR-Soloveranstaltung gewesen wäre – wie angekündigt. War sie aber nicht. Ebenso wenig wie das dufte Aguilera LR-Engagement. Da fand die Netcoo-Redaktion bei einer Recherche auf Ebay sogar noch Lizenzwaren aus dem Jahr 2003. Und wenige Wochen nach Abschluss des LR-Deals verkündete Aguilera – wir erinnern uns – ganz stolz, sie habe nun endlich für ihr Parfum einen passenden Partner gefunden. LR? Pustekuchen. Mit Procter & Gamble wolle sie in Kürze in den Handel gehen. So war es am 12. Januar 2007 in der internationalen Presse zu lesen. Achja, auch die für Carmen Electra tätige Agentur Mayer staunte über LR und damit Mould. Bei einer Gesamtvertragsdauer von drei Jahren waren deren Produkte erst zwölf Monate nach Vertragsbeginn endlich zu bestellen.

2005 kündigte Mould an, rund um das Jahr 2010 mit LR an die Börse zu wollen. Vornerum wurden noch Mitte letzter Woche die Berater nicht müde, sich darüber zu freuen. Hintenrum sah das anders aus. Dabei hätte der Engländer mit Oriflame und Avon-Kenntnissen – beides keine Network-, sondern Direktvertriebsunternehmen – allerbeste Vorraussetzungen gehabt, um sich aus den Spikkerschuhen zu stemmen: APAX als extrem solventen Investor. Eine schlagkräftige Vertriebstruppe, die mit allen Wassern gewaschen ist.

Übrigens: Bei einem Team- und Orgaleitermeeting Ende 2006 – wieder in Bielefeld – wurde mit viel Humptata dieses legendäre „Jahr des Vertriebes“ angekündigt. Da stellte man das geplante LR-Magazin für den Monat Januar 2007 vor. Schick wurde das Cover mit dem Beamer an die Wand gebannt. Nigel Mould, sozusagen Arm in Arm mit Thomas Heursen plus Dr. Jens Abend. Veröffentlicht wurden dann nur Heursen und Abend – aber Mould fehlte. Aha. Nun gut. Offenbar war das der erste Hinweis für einen Wechsel bei LR. Vielleicht auch der erste Schritt des stillen Mould-Abgangs. Den könnte man doch auch wieder mit einem netten Liedchen unterlegen. Vorschläge hierzu hätten sicherlich gerade zu Beginn der letzten Woche auch LR-Berater im petto gehabt. Der alte Freddy Quinn-Song „Junge komm bald wieder…“ war allerdings sicherlich nicht dabei. (chn)

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