Einigung im Liebig Prozess?

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LR Prozess

Mittwoch 20.05.09 Landgericht Münster. Es kam nicht zum Supergau: Der LR-Top-Earner Jürgen Liebig und LR Health & Beauty Systems aus Ahlen haben sich vor dem Landgericht Münster auf einen Vergleich geeinigt. Die Details des Vergleichs sind bisher nicht bekannt, die Parteien haben Stillschweigen vereinbart. Details über die Vereinbarung sollen nicht vor Ende Mai, Anfang Juni öffentlich werden, kommentierte der Liebig-Anwalt Dr. Jürgen Buchmüller auf Anfrage. Erst dann wird der Vergleich offenbar wirksam. Der Vorsitzende Richter hatte kurz vor 12 Uhr das Verhandlungsergebnis verkündet. Falls sich die Parteien noch einmal davon distanzierten, werde er ohne weitere mündliche Verhandlung seine Urteile über die acht Einzelklagen fällen.

Der LR-Anwalt verschwand nach dem kurzen Stelldichein so unscheinbar wie namenlos und schnell. Bloß kein Aufsehen war seine Devise. Dr. Buchmüller zeigte sich so wortkarg wie über alle Maßen zufrieden. Liebig selbst ging erneut jedem Pressekontakt konsequent, aber rundrum strahlend, aus dem Weg. „Er sei zufrieden“, so ein kurzer Kommentar.

Große Überraschung? Ja und Nein. Eine Einigung hatte sich im Grunde schon Ende März vorsichtig angedeutet. Mit der Mandatierung der Kölner Kanzlei Kühn Jäger Naber hatte sich LR ein Team von selbsternannten Spezialisten in Sachen „Finden von wirtschaftlichen Lösungen für den Mandanten“ an Bord geholt. Wie Netcoo erfuhr: Die Einigungsabsicht seitens LR wurde bereits am Montag sehr konkret. Nachmittags traf sich die Geschäftsleitung mit den Liebig-Anwälte zu Friedensgesprächen. Sicher ist: Es wurde von da ab fast 36 Stunden getagt. Mit Pausen. Bis Mittwochfrüh, kurz vor Prozessbeginn. Ging es doch nicht nur um die fristlose Kündigung, sondern auch um andere millionenschwere Klagesachverhalte. Alleine bei der Frage, ob Liebig Anspruch auf jene 2,6 Millionen Euro an Ilhan Dogan verschobenen Bonus hat, ging es garantiert heftig zur Sache. Das Ergebnis des Verhandlungsmarathons wurde auf alle Fälle zusammen mit dem Richter am Landgericht und seinen Beisitzern festgezurrt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Warum nun diese schnelle Einigung? Nach Monaten in denen kein Stein zu schmutzig war, um ihn zu werfen, muss LR wohl Gründe gehabt haben, weshalb es besser sein könnte, die weiße Fahne zu hissen. Es ist nicht auszuschließen, dass der Milliardenschwere Investmentfond Apax Druck in Ahlen gemacht hat und das Zepter in die Hand genommen hat.

Bisher ließ Apax aber nichts verlauten, auch nicht inwieweit man immer noch hinter dem Management Abend und Heursen steht.

Doch welche Gründe könnte LR gehabt haben, sich mit Liebig zu einigen? Bis etwas offizielles verkündet wird, bleiben also nur Spekulationen:

Variante 1: Liebig hat eine Abfindung verhandelt. Die Verhandlungsbasis dürfte sich bei rund 10 Millionen Euro einpendeln. Eine Forderung, die wohl weitestgehend zu erfüllen wäre. Vorteil für LR: Die Bosse Abend und Heursen würden nicht das Gesicht verlieren, haben sie doch vehement geäußert, man nehme Liebig keinesfalls jemals wieder zurück. Vorteil für Apax Partners, den LR-Inhaber: Rückstellungen für eine potentiell an Liebig zu zahlende Abfindungssumme – wenn der Prozess schief geht – belasten die LR-Bilanzen nicht mehr. Potentielle Kaufinteressenten schrecken solche Rückstellungen wohl wie der Teufel das Weihwasser. Ist das Prozessthema hingegen erledigt, wäre die Bilanz wieder sauber. Und LR damit erheblich verkaufsfähiger. Denn, trotz aller Dementi der letzten Monate, plant Apax Partners natürlich den Verkauf seines Ahlener Portfoliounternehmens. Das ist der Sinn eines Hedgefonds: Einkaufen, die Bilanz aufpolieren, mit Gewinn verkaufen.

Variante 2: Jürgen Liebig ist mit sofortiger Wirkung wieder die Nr. 1 von LR. Er bekommt seine Beraternummer zurück, die entgangenen Boni und Auslagen werden ihm erstattet. Man tut, als sei nichts weiter gewesen. Jens Abend wie Thomas Heursen sagen den LR-Beratern in diesem Fall vielleicht ein bisschen kleinlaut: Wir haben uns geirrt. Oder: Was interessiert uns das Geschwätz von gestern, als Liebig noch unser Todfeind war. Heute sind wir wieder Kumpel.

Doch wie glaubwürdig, wäre das Managementgespann dann noch in der LR-Beraterschaft? Ist es überhaupt noch glaubwürdig?

Geht man also spekulativ davon aus, dass LR seinen Liebig wieder an Bord hat. Seit Mittwoch, um die Mittagszeit. Da wird es doch minimal den einen oder anderen LR-Partner geben, der vor Wut das Liebig-Konterfei an der Klotür seiner Kemenate mit Wurfmessern bearbeitet. Ilhan Dogan wäre mutmaßlich einer davon. Er hatte im Prozess Yandimoglu gegen LR im März im Zeugenstand zugegeben, aktiv den Rauschmiss von Liebig forciert zu haben.

Was bedeutet die Einigung für Dogan? Nichts Gutes, darf man vermuten. Dogan hat zu nachdrücklich an Liebigs Stuhl gesägt, hat möglicherweise zu oft potentiell manipulierte Provisionen kassiert, weil LR wohl lieber die Hand über Dogan als über Liebig hielt. Herausgekommen sind wohl bei dieser Art Einschätzungen Millionensalden, die wohl doch eher Liebig zugestanden hätten. Ob sich LR diese Gelder nun von Dogan (und anderen), zurückholt? Man soll es den Betreffenden bereits angedroht haben. Das wirft unweigerlich die Frage auf, ob Thomas Heursen, der für Geschäftsbereich Vertrieb verantwortliche LR-Manager, dafür dann nun auch mal die Verantwortung übernimmt. Und seinen längst überfälligen Rücktritt einreicht?

Ein anderer Top-Ten-Berater äußerte sich am Mittwoch ebenfalls: „Für ihn komme nur eine Lösung in Betracht. LR müsse sich gegen Liebig durchgesetzt haben.“

Allerdings war dieser Berater natürlich nicht bei Gericht in Münster. Er konnte das selbstbewusste und siegesgewisse Lachen von Liebig-Anwalt Buchmüller nicht sehen. Fakt ist: Niemand konnte heute sehenden Auges diese Lösung ernsthaft in Betracht ziehen. Möglich wäre natürlich auch, dass das der eine oder andere LR-Partner- der vielleicht doch eher realitätsfernen Propaganda der LR-Pressesprecherin Maria Brinkmann im Auftrag der LR-Geschäftsleitung weiterhin Glauben schenkt.

Man wird sehen, wie es in Ahlen weitergeht. Unterm Strich wäre die Einigung für die gesamte Direktvertriebsbranche von Vorteil. Doch noch ist vieles in Ahlen ungeklärt, doch der Imageschaden dürfte bereits enorm sein. Der Fall Dogan ist auch noch nicht abgeschlossen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass der ein oder andere noch seinen Hut nehmen wird.

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